April/Mai 2018 Kroatien

Kroatien - Montenegro - Bosnien-Herzegowina

 Als das Flugzeug in Split landete, empfing uns ein herrliches Sommerwetter, ein Kontrast zum trüben, das noch in Hannover herrschte. Dieses warme, nicht heiße Sommerwetter begleitete uns die nächsten Tage und es tat mir sehr gut.

Von Split ging es zu unserem Hotel in Brela an der Makarska Riviera, unweit von Split. Die kroatische Küste ist schmal, begrenzt von steilen Bergen. Dadurch sind die Küstenorte recht klein und ziehen sich an der Küste entlang oder den Berghang hinauf. Man muss immer einen steilen Weg oder eine lange Treppe in Kauf nehmen, wenn man durch den Ort gelangen will. Also für Fußlahme ist Kroatien nichts. Die Berge mit ihren kahlen Steinen, das Meer mit seinem kristallklaren Wasser, die windschiefen Kiefern am steinigen Strand und die üppige Natur machen den Reiz dieser wunderbaren Landschaft aus. Überall sind zahlreiche kleine und größere Inseln vorgelagert. Der Mittelpunkt des Ortes Brela wird von einer Kirche und dem Friedhof bestimmt, auch alte traditionelle Häuser finde ich hier. Es gibt romantische Ecken mit viel Grün, Palmen und Feigenbäumen. Das Wahrzeichen von Brela ist ein großer Felsbrocken mitten im Wasser, bewachsen mit Kiefern. Im klaren Wasser sehe ich sogar viele Fische schwimmen.

Unser erster Ausflug führt uns in den Krka-Nationalpark, den wir mit einem Boot erkunden. Es geht durch dichte Schilfgewächse, wo zahlreiche Wasservögel leben, bis zur Klosterinsel Vyceras. Hier besichtigen wir die Klosterkirche und das kleine Museum mit den Klosterschätzen. Bemerkenswert ist das Bild, das die Madonna als stillende Mutter zeigt. Ein kleiner Park und Garten umrahmt das Klostergebäude. Von hier fahren wir weiter bis zu einer alten Mühle, Roški Slap. Schon von weitem sehen wir einen breiten Wasserfall, der in den See fällt. In einer urigen Gaststätte unter ergrünenden Weinranken erhalten wir eine Platte mit Käse und Schinken, dazu Weißbrot und lassen es uns gut munden. Die alte Getreide- und Ölmühle ist noch gut erhalten und ein Museum. Das Wasser schießt mit großer Kraft durch das Gebäude. Die Fahrt geht zurück zum Ausgangspunkt. Hier erschließt ein Wanderpfad auf Holzbrettern eine unvergleichliche Landschaft. Hunderte von Wasserfällen strömen ins Tal, teilen den Wald auf in viele kleine Teiche mit Fischen, durchströmen Wiesen und stürzen sich hinab ins Tal. Über eine Stunde lang führt der Weg durch diese tosende Wasserwelt. Unten angekommen sieht man eine breite Wasserkaskade, die sich in einen kleinen See stürzt. Hier kann man sogar baden. Über steile Treppen geht es wieder hinauf. Oben hat man mehrere Gebäude als Museum eingerichtet, die über eine alte Ölmühle (Olivenöl), Schmiede, Korbflechterei und Backstube berichten. – Über Šibenik geht es zurück. Hier schlendern wir durch die Altstadt mit ihren schönen Gebäuden, besichtigen die Kathedrale. Ein Denkmal erinnert an den kroatischen König Petar Krešimir IV., der Große. Unter ihm erreichte Kroatien seine größte Ausdehnung.

Nach Split führt uns der nächste Ausflug. Direkt am Hafen befindet sich der Diokletian-Palast,  umgeben von einer Stadtmauer auch die Altstadt. Hier sieht man die Zeit der römischen Herrschaft an jeder Ecke. Die Kellergewölbe des Palastes sind riesig hoch, haben Löcher in der Decke, wo früher der Abfall aus den darüber liegenden Wohnräumen geworfen wurde. Erst vor kurzem wurde das archäologisch frei gelegt. Hier lagerten aber auch die Waren des Handels. Im Palast und auch in der Altstadt sieht man überall die Spuren des letzten Balkankrieges von 1991-1995, wie überhaupt im ganzen Land. Durch Fördermittel (Weltkulturerbe) ist vieles rasch wieder erneuert und aufgebaut. Wie alle Altstädte in Kroatien sind die Gassen sehr eng und auch steil. Bei Hitze sicher sehr angenehm. Es gibt schöne alte Patrizier-Häuser. Auch der Jupitertempel ist gut erhalten und ein Treffpunkt der Ruhe im Gewirr der Gassen. Die Riva, die Promenade am Hafen, ist immer sehr belebt.

Wir ziehen um nach Mlini an der Dubrovsker Riviera. Unterwegs halten wir an einer Bucht, die sehr steil ins Meer hinab fällt. Ein kleines Boot läßt uns erkennen, wie hoch die Straße hier entlang der Küste führt. Auch sehen wir die traurigen Reste eines Waldbrandes. Jelko, unser kroatischer Reiseleiter, spendiert uns einen Sauerkirschschnaps, den seine Mutter selbst gebrannt hat. Mlini, das heißt „Mühle“, ist ein kleiner Ort, sehr malerisch mit vielen schönen Ecken und steilen Treppen. Eine Promenade entlang der Küste führt mich nach den benachbarten Orten. Vor dem Hotel und am Strand stehen alte Olivenölmühlen, Steingefäße für das Öl. Eine 300 Jahre alte mächtige Platane überspannt den Platz. Ich benutze eine steile Treppe, um auf einen Aussichtspunkt zu kommen. Unterwegs sehe ich viele mir unbekannte Blumen, die zwischen den Steinen blühen. Von oben habe ich eine wunderbare Aussicht auf das Meer, die Berge und die kleinen Orte. Eine andere Wanderung führt mich durch ein Naturschutzgebiet zu einer alten Festung direkt am Meer. Auch entdecke ich zahlreiche Pflanzen, sogar Orchideen. Die Festung ist verfallen, hat aber noch hohe Räume und eine Anlegestelle für Boote.

Auf dem Weg nach Dubrovnik halten wir Rast im Neretva-Delta. Hier ist das Zentrum des Mandarinen-Anbaus. Die Felder im Delta sind meist nur mit einem Boot erreichbar. Viele bieten ihre Produkte an der Straße an, wie Mandarinen, Obstsäfte, Schnaps, kandierte Mandarinenschalen (lecker) und Mandeln, Lavendelseife usw. Ein kleiner Abstecher führt uns in den Ort Ston, wo eine Stadtmauer die beiden Ortsteile über einen Berg hinweg verbindet. Das erinnert an die chinesische Mauer. Auch hier kann man die Mauer besteigen. Ein Fort bewacht den Ort und eine alte Saline ist noch in Betrieb. – Wir erreichen Dubrovnik über eine beeindruckende Kettenbrücke. Die Altstadt von Dubrovnik ist überfüllt von Touristen. Das mindert den Eindruck sehr. Die Stadtmauer ist mächtig und begehbar. Wir kommen durch das Tor direkt auf die große Hauptstraße, dem Stradun, wo auch der bedeckte Onofrio-Brunnen steht. Das Franziskanerkloster hat einen Kreuzgang mit schönen Ornamenten. Eine alte Klosterapotheke ist zu sehen. Auch hier in der Altstadt gibt es steile Treppen und schmale Gassen,  in denen sich die Läden und Lokale öffnen. Die Gassen führen zu offenen Plätzen, wo reich verzierte Gebäude stehen. Sehenswert sind die Kathedrale, der Rektorenpalast, der Sponza-Palast, der Uhrenturm. Überall stehen reich verzierte Brunnen, die noch heute ihr Wasser spenden. Auf der Rückfahrt sehen wir die vorgelagerte Insel Lokrum mit dem botanischen Garten. Jelko spendiert uns heute einen Fenchelschnaps, der aber mehr als Medizin zu bezeichnen ist.

Die nächste Tour geht nach Montenegro. In der Stadt Herceg Novi steigen wir in ein Boot, das uns durch den Fjord von Kotor bringt. Es erinnert mich an Norwegen. Die Fahrt geht durch den schmalen Fjord vorbei an zahlreichen Orten zu beiden Seiten des Wassers, die durch Fähren miteinander verbunden sind. Wir erreichen die Insel Gospa od Škrpjela (Maria vom Felsen), auf der eine Kloster-Kirche steht, die wir besichtigen. Die Insel wurde von Seeleuten künstlich aufgeschüttet mit Felssteinen und Schiffswracks und ist Weltkulturerbe.  Die Kirche beherbergt auch ein liebevoll ausgestattetes Heimatmuseum mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs und der Seefahrerei. Nebenan liegt noch eine kleine, aber natürliche Insel mit einem Benediktinerkloster Sveti Đorđe– Nach einer weiteren Fahrt auf dem Wasser erreichen wir die Stadt Kotor am Ende des Fjords. Schon von weitem sieht man die Stadtmauer, die sich wie in Ston auf den Berg hinaufzieht bis zu einer Festung. Durch ein großes Tor gelangen wir in die Altstadt, wieder mit engen Gassen, aber ohne steile Treppen. Die Patrizierhäuser zeigen den venezianischen Einfluss, reich verziert. Überall ist der Kater (für Kotor) gegenwärtig.

Zurück geht es durch den Fjord bis zur kleinen Stadt Perast. Diese liegt malerisch in der Bucht, wo sich auch die beiden Klosterinseln befinden, die man von hier aus sehr gut sehen kann. Schmucke Häuser mit venezianischem Einfluss stehen am Ufer. Eine Promenade verbindet den Ort mit dem kleinen Hafen.

Ein Ausflug mit dem Boot geht in den Nachbarort Cavtat. Dieser liegt in einer Bucht, die von zwei Landzungen begrenzt wird. Der Ort hat viele archäologische Funde, schöne Paläste und ist eine Sommerresidenz für viele Prominente. Durch die malerischen Gassen der Altstadt geht es hinauf zu einem Hügel, wo das Mausoleum der Familie Račić sich befindet, das als Museum heute dient. Vom Friedhof aus hat man einen schönen Blick über die Bucht von Cavtat. Sehenswert sind auch die Kirche St. Nikolas und die Franziskanerkirche „Unser lieben Frau von Schnee“.

Der letzte Ausflug geht nach der bosnischen Stadt Mostar. Kroatien ist katholisch geprägt, Bosnien dagegen mehr moslemisch. Das merkt man an den vielen Minaretten der Moscheen in den Orten. Mehrmals passierten wir die bosnische Enklave bei der Stadt Neum, die sich ca. 8 km entlang der Küste zieht. – Bevor wir die Stadt Mostar erreichen, sehen wir schon die berühmte alte Brücke über den Fluss Neretva. Durch die alten Gassen mit ihren zahlreichen Läden, die wunderschöne Dinge anbieten, gelangen wir zu einer Moschee, die heute nur noch als Museum gedacht ist. Sie ist aus dem 16. Jh. und sehr gut erhalten. Weiter geht es durch das Menschengewühl bis zur alten Brücke. Im letzten Bosnienkrieg wurde sie zerstört, aber wieder aufgebaut. Auch hier steht die Altstadt von Mostar als Weltkulturerbe unter Denkmalschutz. Die Brücke ist nicht ganz ungefährlich. Über glatte Stufen gelangt man auf die andere Seite der Stadt. Beeindruckend finde ich die schönen Handarbeiten wie Decken, bestickt und umhäkelt, die Silber- und Kupferarbeiten, den filigranen Schmuck, der hier angeboten wird. Den Handwerkern kann man zuschauen bei ihrer Arbeit. An der Brücke sehe ich einem Brückenspringer zu. Diese Tradition wird hier sogar als Weltmeisterschaft ausgeübt. Hinab geht es 27 m tief in die eiskalte Neretva. Die Altstadt hat romantische Ecken. – Am Parkplatz steht das Franziskanerkloster, dessen Campanile noch die Granateinschüsse des letzten Krieges zeigen.

Zurück geht es nach Brela. Vorher machen wir Rast an den malerischen Baćina Seen. Hier kredenzt uns Jelko einen Nussschnaps und die Frau unseres Busfahrers hat einen leckeren Kuchen für uns bereit. Gastfreundschaft wird groß gehalten in Kroatien.

Die Reise ist zu Ende und der Flug nach Hannover geht über die Wolken. In Deutschland aber scheint die Sonne und ich sehe die Landschaft wie einen bunten Flickenteppich. Die gelben Rapsfelder leuchten. Der Mittellandkanal ist in Sicht und dann auch das Wunstorfer Moor. Hannover hat uns wieder.

Fotos von Kroatien


Juni 2018 Skandinavien

Abenteuer Nordkap: Finnland - Norwegen - Schweden

 Über München ging es mit dem Flugzeug nach Stockholm. Hier wurden wir im Hotel Scandia Victoria Tower untergebracht, einem imposanten futuristischen Gebäude. Stockholm erkundeten wir bei einer Stadtrundfahrt, schauten uns das Stadthaus an, von wo man einen herrlichen Blick auf das Schloss hat. Mit einem kurzen Stopp am Fährhafen ging es zum Vasa-Museum. Hier bewunderten wir die wieder auferstandene und hervorragend restaurierte „Vasa“, die im Jahre 1961 gehoben wurde. Am Schloss erlebten wir die halbstündige Wachablösung. Anschließend fuhren wir zum Schloss Drottningholm mit seinem herrlichen Park. Abends ging es dann zur Fähre, die uns über Nacht durch die wunderbare Schärenlandschaft nach Finnland brachte. Hier merkten wir schon den arktischen Sommer mit den hellen Nächten. In den nächsten Tagen ging für uns die Sonne nicht mehr unter.

 Finnland erreichten wir am anderen Morgen in Turku. Weiter ging es nach Helsinki, wo wir bei eine kleinen Stadtrundfahrt die bekanntesten Sehenswürdigkeiten kennenlernten. Am Denkmal für den Komponisten Sibelius, der auch die finnische Nationalhymne schrieb, machten wir Halt. Die vielen Pfeifen ragten in den Himmel und viele wagten ein Klangspiel. Am Markt und Hafen rasteten wir, bewunderten das Rathaus und das Riesenrad, an dem sogar eine Sauna-Gondel hängt. Weiter ging es durch unendliche Wälder, nur unterbrochen von zahlreichen Seen, bis zum Wintersportort Lahti mit seinen großen und kleinen Sprungschanzen. Wenn man diese sieht, bewundert man schon den Mut der Skispringer. Unser erstes Hotel in Finnland war in Kuopio das Iso Valkeinen in der finnischen Seenplatte. Weiter ging es nach Lappland. Wir erreichten den Bottnischen Meerbusen, den nördlichsten Teil der Ostsee. Die Vegetation verlief für uns wie rückwärts, die Bäume wurden gerade erst grün. Wir erreichten den Polarkreis im Ort Rovaniemi, erhielten das Zertifikat als Nordlandfahrer. In Rovaniemi wohnt auch der Weihnachtsmann. Es gibt extra ein Postamt hier, wo die Wünsche abgegeben werden können. Unsere nächste Übernachtung war in Luosto Tunturi, mitten im Wald des Nationalparks Pyhä-Luoston in Lappland. Der Wald ist voller Preisel- und Heidelbeeren, auch die Moltebeeren wachsen hier. Wir sehen die ersten Rentiere, die frei hier grasen. Am sagenumwobenen Inari-See machen wir Halt. Wir erreichen die Grenze zu Norwegen. Die Landschaft verändert sich zusehends, es wird karger und felsiger. Unser Bus fährt die Küstenstraße des  Porsangerfjords und des Olderfjords entlang und wir fahren durch den 7 km langen Nordkap-Tunnel auf die Nordkap-Insel. Endlich sind wir am Ziel unserer Reise, das Nordkap. Hier lugt zwar die Sonne durch die Wolken, aber es ist eisig stürmisch, aber nicht zu kalt. Der Blick übers Eismeer und die steilen Felsen ist einmalig. Wir übernachten auch auf der Nordkap-Insel, im Scandic Nordkapp. Durch den Nordkap-Tunnel geht es zurück bis zum Olderfjord, vorbei an den imposanten Schieferfelsen, die wie aufgestapelt aussehen. Zahlreiche Rentiere sehen wir am Wegesrand. Die kleinen Birken sind krumm, erst später kommen wieder die Nadelbäume dazu. Wir erreichen den Fjord von Alta. Hier besuchen wir die Nordlicht-Kathedrale, einem modernen Bau in Form eines Nordlichts. Durch ein wildromantisches Flusstal geht es wieder zurück nach finnisch Lappland, wo wir im Ski-Zentrum Levi im Sirkantähti Lappland Hotel übernachten. Am nächsten Tag regnet es zum ersten Man etwas. Vorbei am Flughafen Kittilä und über Kolari queren wir die schwedische Grenze. Nun geht es südwärts am Bottnischen Meerbusen entlang nach Lulea. Hier schlendern wir durch das historische Kirchendorf, einem UNESCO-Welterbe. Diese kleinen Häuschen wirken wie aus einer Puppenstube. In Umea rasten wir im Elite Hotel Mimer. Das Stadtzentrum ist weitläufig an einem Fluss gelegen. Umea wird auch Stadt der Birken genannt, weil hier die Straßen mit vielen Birken gesäumt sind. Weiter geht es durch Schweden bis zur Högar Kusten Brücke, einer gewaltigen Hängebrücke. In Sundsvall, die Steinstadt, besuchen wir das Stadtzentrum, in den Straßen stehen viele bunte und originelle Dinos als Werbung der Unternehmen. Der Rastplatz Tönnebro liegt an einem malerischen See. Wir erreichen die Universitätsstadt Uppsala. Hier besuchen wir den Dom in Backsteingotik. Auch innen ist er wunderbar ausgestaltet mit bunten Wandmalereien. Viele schwedische Könige wurden hier gekrönt und liegen hier begraben. Von Uppsala aus geht es zum Flughafen Arland, von wo wir unsere Heimreise antreten.

 Die Fahrt mit dem Bus führte uns insgesamt über fast 4000 km durch  Finnland, Norwegen  und Schweden durch eine wunderbare Landschaft mit Wäldern, Seen und Felsen bei herrlichem Sommerwetter.

Fotos von Skandinavien


Dezember 2018 Azoren

Vom Frankfurter Flughafen ging es nach der Insel Sao Miguel und der Hauptstadt der Azoren Ponta Delgada in fast 5 Stunden Flug. Ich hatte nicht gedacht, dass diese Inseln so weit draußen im Atlantik liegen. Die Hauptinsel Sao Miguel ist auch die größte, 64 km lang und 16 km breit. Also sehr überschaubar. Der Atlantik war immer gegenwärtig. Es regnete, als wir ankamen, auch noch in der Nacht. Aber am nächsten Morgen hingen die Wolken noch tief, aber es regnete nicht mehr. Daher besichtigten wir zuerst die Stadt Ponta Delgada. Angenehm ist, dass es keine Hotelburgen auf der Insel gibt, nur ein einziges Hochhaus, das auch ein Wohnhaus ist, gibt es.

Zuerst geht es in den Garten / Jardim Antonio Borges. Schon hier bekommen wir eine Ahnung von dem Artenreichtum der Flora. Durch die Altstadt geht es zu Fuß, vorbei am Unabhängigkeitspalast, dem Frauenkloster Esparanca, der San José-Kirche, dem Platz des Franziscus mit dem markanten Eisenholzbaum, zum Fort Sao Bras und dem Hafen mit dem Emigranten-Denkmal, dann zum Rathaus, der Hauptkirche und dem dreiteiligen Stadttor. In der Markthalle bewundern wir die Früchte der Insel und die vielen Blumen. Abends gehe ich noch mit meiner Zimmernachbarin auf den Berg, wo eine Kirche steht, die wir vom Hotel aus sehen können. Von hier hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt, die umliegenden Berge und den Hafen.

Am nächsten Tag geht es in den Westen der Insel. Auffallend ist das viele Grün auf der gesamten Insel, die aus Vulkanen besteht. Die kann man gut erkennen, auf dem Vulkangrund liegen die Dörfer. Hohe Berge ringsum. Manche Vulkane haben Seen, die aus Regenwasser bestehen. Die Berge sind zum größtenteil mit Zedern, Sicheltannen und Baumfarnen bewaldet. Die Straßen werden von Hortensienbüschen begrenzt, Kamelien bilden dichte Hecken. Überall breitet sich der falsche Ingwer als Unkraut aus. Der ist schwer zu bekämpfen. Die Aloe blüht mit ihren roten Fackeln. Strelitzien säumen den Weg. Die Küste ist meist steil ins Meer, schwarze Lavafelder sind zu sehen, die nur selten einen feinen schwarzen Strand bilden. Daher gibt es kaum Badetouristen. Die Brandung des Atlantiks ist auch sehr stark. Klippen ragen ins Meer, von denen oft eine herrliche Aussicht auf den Ozean und das Land mit den Ortschaften zu sehen ist. Manchmal steht ein Walbeobachtungsposten auf den Landzungen.

Die beiden Zwillingsseen, der Lago Azul und Lago Verde (Blauer See und Grüner See), sind mit einer Brücke verbunden. Der Ort Sete Cidades liegt am Blauen See, wo wir die weihnachtliche Dekoration um die Kirche herum bewundern. Das fällt uns auf, in allen Ortschaften wird die Krippengeschichte mit Figuren nachgestaltet. Oft lebensgroß und sehr liebevoll. Eine Ananasplantage besuchen wir, wo uns die mühevolle Aufzucht bis zur Ernte dieser Frucht gezeigt wird.

Unterwegs zum Lago do Fogo, dem Feuersee, besuchten wir eine Töpferei, die schon lange besteht und einheimische Töpferware, vornehmlich in blau-weiß, herstellt. Schöne Sachen waren da zu sehen.

Eine kleine abgelegene Ortschaft weist mehrere heiße Thermen auf, war früher ein Kurort. Jetzt liegt alles ein wenig verlassen da.

In der Stadt Ribeira Grande bummelten wir durch die Stadt, die in dem typischen Stil, weiße Wände und dunkel umrahmte Fenster und Türen gebaut ist. Die Kirche haben alle keine spitzen Türme und sind ebenfalls in diesem schwarzweißen Stil gebaut. Am Flusslauf entlang laufen wir durch einen Viadukt, der bis zum Meer reicht. Eine hübsche Anlage ist es. Hier steht auch das einzige Theater der Insel, das von den Einheimischen gern aktiv genutzt wird. Am Meer ist ein natürliches Schwimmbad vom Lavastrand abgetrennt. Die Brandung ist sehr stark hier. Da die Kirche zu ist, besuchen wir das Atelier einer Malerin, die hauptsächlich Kamelien als Motiv hat. In einem Laden der einheimischen Likörfabrik kosten wir die verschiedenen Liköre aus Maracuja, Heidelbeeren, Ananas, lecker. Der Strand von St. Barbara ist schwarz vom Lavagestein, die

nahen Kasematten sind nur noch Ruinen, die in das Lavagestein gegraben wurden. Am Strand sind einige mutige Schwimmer und Surfer im Wasser. Es ist

keine Saison mehr. Ein Weihnachtsbaum aus Treibholz erregt unsere Aufmerksamkeit, hübsch und originell.

Auf dem Weg nach der Stadt Vila Franca sehen wir das Nonnenkloster im Tal von Pisao. Die kleine Stadt weist hübsche Gassen auf. Vor dem Rathaus steht ein Denkmal von Heinrich dem Seefahrer, der uns überall auf der Insel grüßt. Wir gehen bis zur Marina, wo viele Boote ankern. Vorbei am Lago dos Furnas gelangen wir in diesen Ort Furnas. Hier fallen sofort die vielen heißen Quellen auf, es dampft an allen Ecken und Enden. Manche Quellen kochen richtig. Das ist irgendwie unheimlich. Hier gibt es 22 heiße Thermalquellen, die meist mit 97° C ausströmen. Auch hier werden die Figuren der Krippengeschichte aufgestellt. Am Lago dos Furnas ist ein Kochplatz, wo wir der Entnahme eines Kochtopfes zusehen. In etwa 1 m Tiefe stehen meist zwei Töpfe, gefüllt mit Gemüse und Fleisch, etwa 5 bis 7 Stunden, um gar zu werden. Zwei Männer mit langen Stangen entfernen zuerst die oberste Schicht des Lavagesteins und den großen Holzdeckel, um dann den Topf aus der Tiefe herauszuholen. Dieses Gericht bekommen wir dann in einem Restaurant zu essen. Sehr reichlich und lecker, zusammen mit einheimischem Wein. Furnas ist ein Kurort mit einer hübschen Kirche und einer Wassermühle. Im Garten „Terra Nostra“ bewundern wir die üppige Flora, wie Bromelien, Kamelien, Palmen, Baumfarne, Mammutbäume, Hortensien usw. Ein Garten Eden mit vielen kleinen Thermalbecken, in denen es sprudelt. Ein großes Badebecken ladet ein, aber angesichts dieser braunen Brühe (vom roten Lavagestein) nehme ich Abstand davon.

Wir besuchen eine Kamelien-Teeplantage „Cha Gorreana“, wo wir die Fermentierung und die Verpackung kennenlernen. Auch kosten wir diesen Tee. Im Naturpark

Ribeira dos Calderas“ bewundern wir den großen Wasserfall, wo wieder diese Krippenfiguren aufgestellt sind. Das Bergwasser rauscht über große Steine ins Tal und treibt dabei mehrere Mühlen an. Entlang des Baches laufe ich bis zu einem weiteren großen Wasserfall, der in ein Badebecken fällt. Romantisch nur einmal dieses Tal.

Bei einem Walbeobachtungsposten bei Algarvia steht eine Kapelle, von der man eine wunderbare Aussicht auf den Ozean und das Land hat. Die östlichste

Stadt ist Nordeste, am Ende der Welt, wie man hier sagt. Es gibt einen kleinen Hafen, eine hübsche Kirche und eine Uferpromenade. Auch hier wieder im ganzen Ort verteilt die Krippenfiguren, die auch einheimische Gebräuche darstellen. Am Aussichtspunkt Ponto Lossego gibt es einen wunderschönen kleinen Garten, wo ich mehrere unbekannte Pflanzen entdecke, wie die Seidenpflanze mit ihren großen Ballons, in denen die seidigen Samen sitzen. Der Osten weist dichte Zedernwälder auf und hohe Berge. Die Straße windet sich in Serpentinen durch den Wald. Immer wieder haben wir die Sicht auf das Meer.

Der Ort Povoacao liegt hoch auf der Steilküste, von wo wir bald den schönen Sonnenuntergang sehen.

Am letzten Tag ist eine Fahrt auf das Meer angesagt zur Wal- und Delfinbeobachtung. Mit einem Katamaran geht es hinaus. Es ist etwas stürmisch. Einmal kann ich kurz den Rücken eines Orca ausmachen, erkennbar an seinen schwarz-weißen Flecken. Bald umrunden uns die Delfine und zeigen uns ihre Kunststücke, indem sie hoch springen, manchmal synchron zu zweit oder zu dritt. Schöne Tiere. Die Wale ziehen in dieser Zeit nicht vorbei. Schade. Aber es ist auch so ein Erlebnis auf hoher See. Die Küste mit ihren steilen Abhängen, die Vulkanberge und die Ortschaften sind weit entfernt.

Am letzten Nachmittag bummeln wir noch einmal durch Ponta Delgada. Auf dem Weihnachtsmarkt vor der Kirche ist viel los, Buden und Stände von einheimischen Künstlern locken. Im Restaurant schauen wir dem Treiben zu. Zurück entdecken wir noch das Kulturzentrum und die Universität. Die Schaufenster der Geschäfte

wetteifern um die beste Weihnachtsdekoration. Da gibt es viel zu sehen.

Am frühen Morgen geht es zum nahen Flughafen, der direkt am Meer liegt. Es geht wieder heimwärts nach Frankfurt übers Meer, einem Zipfel der iberischen Halbinsel und die Biskaya.

Eine wunderbare Reise ist zu Ende.