Erlebnisse mit Tieren


Bei den Großeltern
Meine Freundin Karin, ich und Putzi

Die Tiere der Großeltern

Als Kinder waren wir Schwestern in den Ferien immer zu Gast bei den Großeltern auf dem Dorf. Sie hatten viele Haustiere, Hunde, Katzen, Hühner, Enten, Gänse, Schafe und Ziegen, auch Schweine, Kaninchen und sogar Tauben. Für uns Stadtkinder war das stets ein riesiges Vergnügen, mit den Tieren uns zu beschäftigen. Am liebsten hatten wir natürlich die beiden Hunde und die Katzen. Der Schäferhund Bodo wurde von meiner kleinen Schwester dressiert, auf eine Leiter zu klettern, über die Mauer zu springen und allerlei andere Dinge brachte sie ihm bei. Sie wollte mal mit ihm im Zirkus auftreten. Wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs waren, lief Bodo neben uns her. Meist rannte er aber irgendeinem Hasen hinterher und wir hatten unsere Mühe, ihn wieder mit nach Hause zu bringen. - Der andere Hund Putzi, ein kleiner Yorkshire-Terrier, ein sehr lebhafter und lustiger Kerl, war stets mit uns und immer zu Scherzen aufgelegt.  Die beiden Katzen, Mutter und Tochter, ließen sich manchmal herab, mit uns zu spielen. Die Alte war wirklich schon alt, liebte die Wärme. Sie ließ es sich sogar gefallen, dass wir sie in unseren Puppenwagen legen konnten und sie spazieren fuhren. Das gleiche konnten wir auch mit den Kaninchen veranstalten. Auch sie fuhren wir mit unserem Puppenwagen spazieren. Die Puppenwagen stammten übrigens noch aus Omas Kinderzeit! - Frühmorgens, wenn wir noch in unseren Betten lagen, kamen die alte Katze und der kleine Terrier Putzi gemeinsam zu uns in die Betten, kuschelten sich bei uns ein. Unsere Oma durfte das nicht wissen, hatte sie uns das ja gerade verboten: „Tiere gehören nichts ins Bett!“ Sie hatte ja Recht. Aber das Kuscheln mit den beiden Tieren war doch so schön! Mit ihrem feinen Gehör wussten die  beiden, wenn unsere Oma in die Nähe kam. Denn auf einmal waren beide unter der Decke verschwunden und verhielten sich mucksmäuschenstill. Da wussten wir Bescheid und taten ganz unschuldig: „Hier sind kein Hund und keine Katze!“. Erst wenn Oma wieder außer Reichweite war, wagten sich beide wieder hervor. Für uns Kinder war das immer ein Riesenspaß.

Opa züchtete Zwerghühner und Tauben. Die Zwerghühner hatten lustige „Pantoffeln“ an ihren Krallen.  Ihre winzigen Eier waren immer für uns Kinder gedacht. – Die Tauben waren sehr zahm. Opa holte aus der Futterkiste die große Schaufel mit Getreidekörnern, setzte sich auf die Außentreppe des Hauses und lockte die Tauben. Wir Kinder saßen neben ihm und hielten in unseren Händen einige Körner bereit. Wenn die erste Taube auf der Futterschaufel saß und pickte, kamen nach und nach auch die anderen angeflogen. Dann kamen sie auch auf unsere Hände, gurrten leise und pickten sich die Körner auf. Das war immer eine große Freude für uns. – Oma schlachtete manchmal eine der Tauben als ein delikates Mittagsmahl. Wir konnten das nie essen. Verständlich, oder?

Aus der Milch der Ziegen schlug Oma mit ihrer Maschine Butter. Wir Kinder mochten sie nicht so gern, roch sie doch nach Ziege. Die Schafe lieferten uns ihre Wolle. Ich schaute den flinken Fingern der Oma gern zu, wenn sie den Wollebausch auf  ihrem Spinnrad zu einem Wollfaden spann. Aus dieser selbstgesponnen Schafwolle strickten Oma und unsere Mutter für uns alle Pullover, Jacken und Socken. Die Gänse und Enten waren nicht nur für einen begehrten Festtagsschmaus vorgesehen, sondern lieferten auch die Federn für unsere Betten. Im Winter wurden die aufbewahrten Federn der geschlachteten Tiere gesplissen. Um den großen Tisch in der Küche, auf dem sich der Federberg türmte, saßen wir mit Kopftüchern bedeckt und rissen die Federn von ihren Kielen herunter. Dabei durfte wenig gesprochen oder irgendeine hastige Bewegung gemacht werden. Denn jeder kleinste Lufthauch wirbelte die leichten Federn durcheinander und in der Küche herum. Wir sahen bald selbst aus wie Federvieh. Die leichten Federn setzten sich überall fest. Jeder in der Familie bekam so ein warmes Federbett.

Die Ferien bei den Großeltern haben wir Stadtkinder immer sehr genossen und noch heute denken wir gern an diese Zeit zurück.

 


Ein Hund – mein bester Freund

Nach dem Kriege und der Flucht lebten wir in einem kleinen Dorf. Ich war noch sehr klein, vielleicht so vier Jahre alt. Unser Nachbar hatte einen Schäferhund, der sehr wachsam und scharf war.  Niemand, außer seinem Herrchen, konnte an ihn ran, nur er durfte ihn füttern oder anfassen. Andere schoben ihm aus Angst sein Futter mit einer langen Stange zu. Mir tat er immer sehr leid, weil er ständig an einer eisernen Kette gebunden war und auch sonst sehr schlecht behandelt wurde. Ich hielt mich aber an die Mahnung meiner Mutter, ihm nicht zu nahe zu kommen und hielt mich in respektvoller Entfernung. Eines Tages aber umging ich dieses Verbot, mir tat er zu leid und ich wollte ihn trösten. Ich kroch zu ihm in die Hütte und streichelte ihn, schmiegte mich an ihn. Der Hund ließ sich das sehr gern gefallen und lag ganz ruhig und friedlich neben mir und bewachte mich. So schauten wir beide aus der Hundehütte.  Meine Mutter und die anderen suchten  mich schon überall.  Als unsere Nachbarin mich in der Hütte dieses gefährlichen Schäferhundes entdeckte, wo wir beide fröhlich herausschauten, sind sie fast gestorben vor Angst. . Es war so schön warm bei dem Hund und er so lieb! Die anderen waren nur entsetzt. Ich verstand ihre Aufregung überhaupt nicht. Fortan durfte auch ich den Hund unseres Nachbarn füttern und streicheln. Hat ein Tier nicht auch Liebe verdient?


Spinnennetz
Kunstvoll gesponnen

Spinnen

Tiere mag ich eigentlich sehr gern. Nur eine Spezies ist mir einfach zu gruselig, Spinnen!

Als Kind hatte ich furchtbare Angst vor diesen unheimlichen und hässlichen Krabbeltieren. Meine Familie lebte damals auf dem Dorf und ich war noch sehr klein. Auf dem Land gibt es nicht nur Haustiere, sondern eben auch dieses kleine Getier in Mengen. Wie auf dem Dorf üblich, befand sich das Plumpsklo über dem Hof. Eines Tages saß ich dort bei meinem Geschäft, als ich vor mir an der Tür eine Spinne, ein sogenannter Kanker oder Weberknecht, sah. Mit meinen Kinderaugen sah ich in meiner Angst die Spinne riesengroß mit überlangen Beinen. Ich schrie wie am Spieße. Alles lief erschreckt herbei und befürchtete, ich sei in das Plumpsklo gefallen. Nur eine Spinne! Deswegen so ein Geschrei! Jemand nahm die Spinne von der Tür und ich war gerettet!

Es gibt noch eine Episode, über die meine Familie noch manches Mal lacht. Wir saßen alle gemütlich erzählend am Kaffeetisch, als meine kleine Schwester plötzlich ein schwarzes Ungetüm neben meinen Teller setzte. Eine riesige, schwarze und behaarte Spinne! Ich konnte vor Schreck nur schreiend das Weite suchen. Die Familie lachte, aber ich kam erst wieder zurück, als dieses Ungeheuer verschwunden war und mir erklärte, was es eigentlich war. Meine kleine Schwester hatte vom Jahrmarkt eine Plastespinne mitgebracht, schon um mich zu ärgern, weil sie wusste, wie ich mich fürchtete. Diese Plastespinne konnte man mit einem Blasebalg in Bewegung setzen. Also sah das Ganze richtig echt für mich aus.

Meine Angst und Abscheu vor Spinnen hat sich mit den Jahren gelegt. Ein Freund von mir meinte, manche Spinnen haben goldene Augen. Daraufhin schaute ich mir diese Viecher einmal genauer an. Es gibt wirklich interessante Exemplare unter ihnen und manche finde sogar ich sehr hübsch. Und nützlich sind die meisten ja auch. Ihre Netze sind wahrlich kleine  Kunstwerke. Ganz ist dieser Abscheu nicht verschwunden. Heute kann ich Spinnen selbst entfernen, brauche niemanden mehr dazu rufen. Aber nie mit bloßen Fingern! Spinnen sind doch zu eklig.


Wellensittiche

Als Kinder hatten wir immer Vögel gehalten, entweder Kanarienvögel oder Wellensittiche. Begonnen hatte es mit dem Besuch einer Ziervogelausstellung, wo wir bei einer Tombola einen Kanarienvogel gewannen. Es war unsere Aufgabe, diese auch zu füttern und zu pflegen. Die Kanarien hießen immer Peterle und die Sittiche Hansi. Die Kanarienvögel sangen sehr schön. Aber lieber hatten wir die Wellensittiche, weil sie immer zu Streichen und Unfug aufgelegt waren. Einer ist mir noch lebhaft in Erinnerung. Hansi war ein richtiger Satansbraten. Im Käfig konnten wir diesen nicht halten. Die Käfigstäbe aus Holz benagte er so lange, bis er sie durchgebissen hatte und ins Freie gelangte. Die Drahtstäbe verbog er und schlüpfte hinaus. Wir ließen ihm also seine Freiheit. Das Nagen an allen möglichen Dingen war seine Lieblingsbeschäftigung. Meine Mutter hatte auf dem Fensterbrett große Gliederkakteen stehen, die ihr ganzer Stolz war, wenn sie wunderschön rot blühten. Unser Wellensittich brachte es in kurzer Zeit fertig, diese bis auf die „Rippen“ abzunagen. Im Käfig hatten wir Kalkschalen zum Knabbern aufgehängt. Hansi nagte zwar daran, aber das war ihm nicht genug. Als er dann begann, die Tapeten herunterzureißen, war das Maß voll. Wir gaben ihn einem Züchter in sein Gehege. Ein anderer Wellensittich hatte ebenfalls viel Freiheit bei uns. Er war sehr zahm und anhänglich. Manchmal saß er auf unserer Schulter oder auf dem Kopf und wir konnten mit ihm überall hingehen. Er flog nicht davon, sondern blieb brav dort sitzen. Das war wohl wegen seiner großen Neugier. Alles musste von ihm untersucht werden. Wenn wir unsere Mahlzeiten einnahmen, war auch unser Wellensittich mit dabei. Er trippelte auf dem Tisch herum und musste von allem kosten. Wir mussten immer aufpassen, dass er nicht zu viel naschte und sich den Magen verdarb. Einmal wollte er unbedingt vom Bier meines Vaters kosten. Es schmeckte ihm so gut, dass er nicht vom Glas wegzukriegen war. Plötzlich torkelte er über den Tisch. Er hatte sich einen Rausch angetrunken! Meine Schwester nahm ihn vorsichtig und setzte ihn auf den Boden seines Käfigs. Auf der Stange konnte er sich nicht mehr halten. Es dauerte eine Weile, bis er seinen Rausch ausgeschlafen hatte. Seiner Neugier war diese Erfahrung aber kein Hindernis. Er musste weiter alles ausprobieren. Wenn wir Karten spielten, war er dabei, sortierte die Karten nach seinen Vorstellungen. Wir hatten sehr viel Spaß mit unseren Vögeln.


Katze wartet
Nachbars Katze Lucie

Nachbars Katze

Wir selber besaßen keine Haustiere. Aber unsere Nachbarn hatten eine Katze. Lucie war auch auf unserem Grundstück heimisch. Sie fing eifrig Mäuse, legte sie entweder bei ihrer Familie oder vor unsere Haustür. Wir lobten sie dafür natürlich sehr. Meist spielte sie noch mit ihrem Fang, ehe sie die Maus tot biss. Fressen tat sie die Mäuse nie. Sie war sehr feinfühlig, merkte sofort, wenn ihre Familie verreisen wollte. Denn dann kam sie zu uns, setzte sich vor unsere Tür und mauzte. Als wollte sie sagen, jetzt seid ihr meine Familie und müsst für mich sorgen. Sie wusste, dass sie nicht zu meinem Mann gehen durfte, der eine Allergie gegen Katzenhaare hatte. Deshalb konnten wir sie nicht in unser Haus lassen. Daher war sie immer die ganze Zeit um mich herum und ließ mich nicht aus ihren Augen, verfolgte mich überall hin. Dann bekam sie ihre Streicheleinheiten und schnurrte zufrieden


Ein liebevoller Hund

Nach dem Abbruch meines Studiums der Landwirtschaft suchte ich eine neue Arbeit. Im Dorf meines Großvaters wollte ich versuchen, wieder Fuß zu fassen. Dazu besuchte ich die Genossenschaft und schaute mir auch die Kuhställe an. Wir beide, mein Großvater und ich,  fuhren mit dem Rad dorthin. Wir waren etwas zeitig dort und warteten auf den Schweizer, der uns die Ställe zeigen wollte. Unsere Räder stellten wir ab und ich wandte mich zurück, um nach dem Mann zu schauen, ob er nicht bald da wäre. In dem Moment, wo ich mich umdrehe, stellt sich ein riesiger Schäferhund vor mich auf, legt seine beiden Vorderpfoten auf meine Schultern und schaut mich mit seinen Augen treuherzig an. Ich konnte gar nicht erschrocken sein, so schnell ging das. So standen wir eine kleine Weile miteinander und schauten uns tief in die Augen. Vorsichtig redete ich auf ihn ein und fasste seine Läufe und ließ ihn wieder hinunter. Sein Herrchen, der Schweizer, auf den wir warteten, verstand die Welt nicht mehr. Sein Hund wäre sonst sehr scharf gegenüber Fremden. Habe ich eine besondere Gabe für Hunde?


Waldohreulen

Wir wohnten am Stadtrand in der 2. Etage einer Villa, die umgeben war von einem großen Garten mit vielen Bäumen. Vom Küchenfenster aus schauten wir in die Kronen von Fichten und Tannen. Wenn die kalte Jahreszeit heranrückte, warteten wir auf unsere gefiederten Gäste, die Waldohreulen. Jedes Jahr suchten sie sich diese hohen Bäume in unserem Garten als Winterquartier aus. Wir wussten dann, es konnte nicht mehr lange dauern bis der Winter naht. Im dichten Geäst der Bäume waren sie kaum auszumachen. Manche Jahre waren es bis zu zwanzig Waldohreulen, die sich dort versammelten. Vom Fenster aus hatten wir eine gute Sicht zur Beobachtung dieser Eulen. Es war schon faszinierend zu sehen, wie sie ihren Kopf fast ganz herumdrehen konnten. Lustig schauten ihre Ohren, die Federbüschel am Kopf aus. Mit ihren großen gelben Augen schauten sie uns an. Am Tage ruhten sie auf den Ästen des Baumes, ließen sich nicht stören. Nachts flogen sie auf Nahrungssuche. So wie sie plötzlich auf den Bäumen saßen, waren sie auch wieder verschwunden. Das war für uns das Signal, der Winter ist vorbei.


Hausmaus
Hausmaus

Die gewitzte Maus

Wir saßen abends gemütlich vor dem Fernseher. Plötzlich bemerkte ich eine schnelle Bewegung in der Ecke am Schrank. Was war das? „Da war eine Maus!“, rief ich.  Mir wurde aber kein Glaube geschenkt. Was sollte da sein? Aber nach einer kleinen Weile rief mein Mann: „Da ist wirklich eine Maus!“. Wie kam die hier herein? Im Sommer hatten wir fast ständig die Terrassentür offen, also ein leichtes auch für so ein kleines Ding. Schnell die Tür geschlossen und nun ging die Jagd los. Auf allen vieren krochen wir durch die Stube, suchten nach dem kleinen Racker. Nirgends war die Maus zu sehen, geschweige denn zu fangen. Schließlich gaben wir vorerst auf. Mein Mann aber ging in seine Werkstatt und suchte dort nach einer Mausefalle, die irgendwo dort sein musste. Vorsichtig stellten wir die Falle unter den Schrank, wo wir die Maus vermuteten. Nun hieß es abwarten. – Am anderen Morgen war die Falle  unberührt. Wo ist die Maus? Wir setzten uns zum Frühstück und ich ließ meine Blicke im Zimmer umherschweifen. Was war das? Oben auf der Gardinenstange bewegte sich etwas. Die Maus! Sitzt sie doch dort oben und lacht sich über uns kaputt! Wir kriechen auf der Erde herum und suchen nach ihr. Und sie! Schaut unserem Treiben von oben zu! –  Mäuse sind eben sehr gute Kletterer! - Ich holte schnell einen Eimer und „fegte“ dieses kleine Racker hinein. Draußen wartete schon Nachbars Katze. Ehe wir uns versahen, war das kleine Biest ihr Opfer geworden.


Unsere Amseln

Wir hatten einen großen Garten. Und sehr viele Amseln wohnten hier. Die waren mir besonders im Frühling nicht sehr wohl gesinnt, zupften sie mir doch sämtliche Krokusse kurz und klein. Beim Graben hüpften sie stets hinter uns und warteten auf fette Beute. Manchmal gerieten sie dabei zwischen unsere Beine, dass wir aufpassen mussten, nicht auf eine zu treten. Den Sommer über vertilgten sie viel Ungeziefer. Morgens weckten sie uns mit ihrem lauten Gesang so zeitig, kaum dass der Tag sich zeigte. Wie oft haben wir dann unser Fenster schließen müssen, um noch ein wenig zu schlummern. Am Abend saß ich gern auf unserer Terrasse und genoss die Dämmerung und die Stille. Dann kamen auch die Amseln und trieben sich in unserer Nähe herum. Sie flöteten und wenn wir antworteten mit leisem Pfeifen. Es entspann sich eine regelrechte Unterhaltung zwischen uns. Nur schade, dass wir die Vogelsprache nicht gelernt haben.


Pferde
Pferde

Lehrzeit auf einem Gut

Als Vorbereitung auf das landwirtschaftliche Studium mussten wir zukünftigen Studenten ein praktisches Jahr absolvieren und unseren Facharbeiter ablegen. Die Arbeit auf den Feldern fiel mir sehr schwer und ich hatte Mühe, keine Schwäche zu zeigen. Unser Lehrmeister war ein sehr verständnisvoller Mann und erkannte, dass ich mit Tieren gut auskam. Daher setzte er mich vorzugsweise in den Ställen ein. Das entsprach auch meinen Neigungen. Mit Tieren umgehen, war schon immer ein Erlebnis für mich.

So hatte ich eine Zeitlang die Aufgabe, den Zuchtbullen des Gutes, ein mächtiges Tier, zu füttern, der abseits in einer Scheune untergebracht war. Er tat mir immer sehr leid, weil er von den Schweizern so hart angefasst wurde, angekettet an langen Stangen und Eisenketten, was ihn sicherlich noch mehr reizte. Wenn ich mich seiner Scheune näherte, kam er ans Gatter. Ich konnte ihm dann seine lockige Stirn kraulen und er genoss das mit schnaubenden Nüstern und neigte seinen Kopf mir entgegen. Diese Geste hat der Oberschweizer gesehen und mich daher mit der Fütterung des Bullen beauftragt. Natürlich durfte ich nicht in die Scheune zu ihm hinein. Das war auch nicht notwendig. Denn wenn  der Bulle mich sah, kam er schon von allein an das Gatter und ließ sich ganz ruhig füttern und forderte seine Streicheleinheiten.

Eine Zeitlang habe ich das Pferdegespann begleitet. Als der Zugführer für längere Zeit krank wurde, hat er mich gebeten, sein Gespann zu übernehmen. Nun hatte ich eine richtige Aufgabe, auch wenn ich dadurch zeitig aufstehen musste. Die beiden Pferde, gutmütige Ackergäule, musste ich frühzeitig füttern, striegeln, und danach den Stall ausmisten. Feldränder auspflügen, eggen, verschiedene Fuhren erledigen, das waren so meine Aufgaben mit den Pferden. Oft bin ich auf dem Rücken der Pferde wieder nach Hause geritten, ganz glücklich, meine Arbeit mit ihnen getan zu haben. Mit den beiden Pferden habe ich auch in der Getreideernte geholfen. Wenn ich daran denke! Mit den Pferden als Gespann vor einem mit Stroh hochbeladenen Wagen und dahinter noch einen ebenso hoch beladenen zog ich durch die Gegend, um die Wagen dicht vor die Scheunenluke zu fahren, damit sie dort abgeladen werden konnten. Aber ich meisterte das mit Bravour und erntete sogar Lob von den Bauern. Das hat mein Selbstwertgefühl damals sehr gestärkt. Das Pferdegespann hatte ich drei Monate lang zu führen und mit ihm zu arbeiten. Das war eine schöne Zeit.

Das Gut hatte auch eine Schweinezucht. Hier gab es einige Zuchteber, riesig, massig und träge. Damit sie nicht zu träge und unbeweglich wurden, mussten wir diese Eber spazieren führen. Wir bekamen einen Gummiknüppel in die Hand, um die Eber besser beherrschen zu können und gingen mit ihnen auf den Feldwegen spazieren. Das war keine leichte Aufgabe. Die Eber suchten jede Gelegenheit, sich in irgendeiner Pfütze zu suhlen, das mussten wir verhindern. Mit dem Gummiknüppel einen kleinen Klaps auf den Rüssel und sie parierten. So lenkten wir sie wieder wohlbehalten in ihren Stall zurück. Man musste nur aufpassen, dass nicht so ein riesiger Fettkloß einen auf die Füße trat! Am Schweinestall befand sich auch eine große gekachelte Wanne, in der wir ab und zu  die Schweine hineintrieben, um sie mit einem Wasserschlauch abzuspritzen. Das haben die Schweine richtig genossen! Von wegen dreckiges Schwein!

Wir zukünftigen Studenten wohnten in einer Baracke und in unserem Zusammenleben gab es manchen Spaß. Die Jungen hatten ihre helle Freude daran, uns Mädchen mit ihrem Unfug zu ärgern. Manchmal setzten sie uns einen Igel in den Papierkorb. Nachts wurde der Igel lebendig und raschelte, um wieder hinaus zu kommen. Meine Zimmergenossin hatte eine Heidenangst vor Mäusen, so musste ich nachsehen, was da so raschelte. Den Igel setzte ich auf eine Kehrschaufel und beförderte ihn wieder ins Freie. Ein andermal wurden uns tote Mäuse oder Spatzen in die Betten gelegt, was immer ein Gekreische verursachte.

Meine schriftliche Abschlussprüfung befasste sich auch mit Tieren, mit der tuberkulosefreien Aufzucht von Kälbern. Dazu musste ich im Kälberstall aushelfen, was immer ein Vergnügen war. Wenn die Kälber mit ihren rauen Zungen an meinen Fingern nuckelten und saugten, kitzelte das ganz schön. Meinen Facharbeiterbrief als Landwirt/Feldbau bestand ich mit gutem Ergebnis. Es war ein hartes, aber auch ein sehr schönes Jahr gewesen.


Teichfrosch
Teichfrosch

Erdkröte

In unserem Garten hatte ich im Gegensatz zu unseren Nachbarn nur wenige Schnecken. Das hatte ich hauptsächlich den Fröschen in unserem kleinen Teich zu verdanken. Jedes Jahr lebte dort mindestens ein Teichfrosch, manchmal auch zwei. Oft saß er am Tage auf einem Stein und sonnte sich. Kamen wir in die Nähe, verschwand er schnell im Wasser und tauchte erst wieder auf, wenn wir uns ruhig verhielten. Einmal kam auch ein Molch in den kleinen Teich, legte dort seinen Laich ab. Das war uns denn doch zu viel und wir entfernten den Laich und setzten ihn in dem nahen See aus. – Im Garten lebte aber auch eine große Erdkröte, die ebenfalls den Schnecken den Garaus machte. Sie versteckte sich immer sehr gut, indem sie sich in die Erde eingrub. Mit ihrem gerade nicht schönen Aussehen war sie kaum zu unterscheiden von der umgebenden Erde. Ich bekam beim Jäten immer einen gehörigen Schreck, wenn auf einem Mal sich die Erde bewegte und die Kröte emporsprang. Schnell grub sich das Tier dann wieder ein und ich merkte mir die Stelle, um sie nicht weiter zu stören. In der Paarungszeit waren es immer zwei Kröten in meinem Garten…


Unser Meerschweinchen

Mein Sohn hatte immer mal wieder die verschiedensten Tiere. Einmal hatte er sich ein Meerschweinchen zugelegt. Das wurde für uns sehr zutraulich. Wenn wir in der Schule und auf Arbeit waren, musste sich das Meerschweinchen allein zu Hause begnügen. Umso mehr wurden wir bei unserer Heimkehr begrüßt. Schon an der Tür hörten wir sein Pfeifen. Dann mussten wir es erst einmal  hochnehmen und streicheln. Wenn wir es auf unseren Schoß nahmen, streckte es alle seine vier Beine weit auseinander, lag da wie ein breites Kissen und schnurrte voll Behagen. Es fühlte sich wohl. Aber meist passierte auch ein Malheur, es ließ sein Wässerlein an uns ab. So wohl fühlte es sich bei uns! – Zur Vorsicht nahmen wir dann doch ein altes Handtuch als Unterlage…


Annateich
Am Annateich

Zwei eitle Burschen

Mit meinem Rad bin ich unterwegs in der Natur. Am kleinen See setze ich mich auf eine Bank und schaue über das Wasser. Die Sonne malt glitzernde Punkte auf die Wasseroberfläche, die vom Wind weggetrieben werden. Es funkelt und spiegelt überall. Ich genieße die Ruhe und das Rauschen der Bäume um mich herum. Wildgänse schwimmen vorüber und Blesshühner machen ihnen den Platz streitig.  Diese kleinen schwarzen Vögel sind richtige Biester, dulden keinen anderen neben sich, hacken streitlustig jeden weg. Es kehrt aber wieder Ruhe ein. Ich schließe meine Augen und genieße die warmen Strahlen der Sonne. Da höre ich es leise schnattern. Als ich aufblicke, kommen zwei Enten das Ufer hoch gewatschelt, miteinander sich schnatternd unterhaltend. Es sind Erpel, erkennbar an ihrem metallisch glänzendem Gefieder am Kopf und den lustig unter den Flügeln hervorschauenden Lockenfedern am Bürzel. Vor mir in respektvoller Entfernung bleiben sie stehen und beginnen, sich zu putzen. Da wird eifrig und mit viel Hingabe das Gefieder gestriegelt. Mit ihrem Schnabel ziehen sie jedes kleinste Federchen durch und legen es wieder an die richtige Stelle, ordnen und streichen, wühlen und glätten. Keine Stelle am Körper wird ausgelassen. Der kleinere Erpel hat seine Putzerei beendet und watschelt zu mir an die Bank. Er hofft wohl auf Futter, denn er sucht am Boden, mal hier und da etwas in den Schnabel zu bekommen. Fast watschelt er über meine Füße. Ich habe aber leider nichts mit, was ich ihnen anbieten könnte. Der Kleine wendet sich daher wieder seinem Kameraden zu, der immer noch mit seinem eitlen Putzen beschäftigt ist. Der Kleine schnattert etwas zu ihm, so als ob er sagen wollte: es hat keinen Zweck, die Frau hat nichts für uns. Schnatternd wenden sie sich daher ab und eilen wieder dem Wasser zu und schwimmen davon.

Ich habe mich amüsiert über diese beiden kleinen Kerle. Es ist wie bei den Menschen, eitles Gebaren, um aufzufallen.


Schlangen

 Meine erste Begegnung mit Schlangen hatte ich als Kind. Wir lebten auf dem Dorf und der nahe Wald war unser Spielplatz. Eines Tages fanden wir im dichten Unterholz eine Kreuzotter. Erkenntlich an ihrem gezackten Muster auf dem Rücken. Man hatte uns schon erklärt, dass wir dieses Tier nicht ärgern oder gar anfassen sollten. Die Kreuzotter ist giftig. Daher schauten wir nur mit bewunderndem Respekt die Schlange an. Schnell verschwand sie wieder im Gebüsch.

 Bei einem Tagesausflug nach Tanger in Marokko kamen wir auf einen Platz, auf dem ein Markt stattfand. Dort befanden sich auch Gaukler mit verschiedenen Schlangen in einem Korb, die sie vorführten. Mutigen Touristen wurden diese Schlangen um den Hals gelegt als Attraktion. Das werden keine Giftschlangen sein, fand ich. Schon immer wollte ich wissen, wie sich Schlangen anfühlen. Darum ließ ich mir auch eine Schlange umlegen. Sie fühlte sich glatt und kühl an, eigentlich angenehm! Meine erste direkte Berührung mit einer Schlange.

 In Arusha/Tanzania befindet sich die Schlangenfarm Meserani Snake Park. Hier kann man viele Arten an Schlangen sehen. Die Schlangen  werden gezüchtet für die Gewinnung von Serum. Aber auch als Anschauungsmittel sind sie gedacht. Ein junger Mann zeigt und erklärt uns die verschiedenen Schlangen, ihre Giftigkeit, ihre Gefährlichkeit und ihren Nutzen. Diese hier ausgestellten Schlangen hat man irgendwann dem Namen nach schon gehört, sie aber in Natura zu sehen, ist etwas anderes. Ein Glück, dass sie hinter Glasscheiben untergebracht sind. In der Mitte des Geländes befinden sich mehrere Bassins, in denen Krokodile sich tummeln. Diese werden hier ebenfalls gezüchtet und in einem bestimmten Alter ausgesetzt. Es gibt zu wenig davon in Tanzania. Zuerst sehen wir die kleinen, 3 Jahre alt und ungefähr 50 cm lang, die nächsten sind schon 7 Jahre alt und haben eine Länge von etwa 180 cm, im nächsten Becken sind sie 10 Jahre alt und etwas über 250 m lang, diese werden ausgesetzt in die freie Natur. In einem Becken liegen zwei riesige Alligatoren, bestimmt etwa 4 m lang, das sind die Zuchteltern. Von einem nahen Baum holt der junge Mann eine grüne Grasschlange herunter, nimmt sie in die Hand und bittet uns, sie anzufassen. Sie ist ungiftig. Simone entschließt sich als erste und ich traue mich auch. Sie fühlt sich kalt und glatt an und ich nehme die Schlange vollends in meine Hände, wo sie sich um mein Handgelenk schlingt. Bin ich nicht mutig? Simone fotografiert das schnell und der junge Mann freut sich mit mir. In einem anderen Becken sehen wir unterschiedliche Schildkröten. Diese werden meist gefunden und hierher abgegeben.

In Bujora ist ein Freilichtmuseum und zeigt die Kultur und Lebensart der Sukuma, eines Stammes von vielen um Mwanza am Viktoriasee in Tanzania. Nach dem Rundgang durch das sehr anschauliche Museum gehen wir zum Schlangenhaus. Hier holt unser Guide aus einer Kiste eine ca. 3 m lange Pythonschlange, ein prächtiges Tier. Er legt sie auf den Boden und sie beginnt sich zu winden. Zwei junge Männer, die vor dem Eingang ein Murmelspiel spielten, heben schnell die Beine auf ihre Stühle. Die Python ist sichtlich in ihrer Ruhe gestört, denn sie will zurück in ihre Kiste, sucht die Tür. Der Guide hebt sie hoch und legt sie Richard um den Hals. Dann fragt er mich und ich lasse mir das nicht zweimal sagen. Die Schlange hat ihr Gewicht! Daher trägt der Guide sie mit mir zusammen. Das Schwanzende hängt herunter und die Python, die ja ungiftig, aber eine Würgeschlange ist, ringelt sich um mein Bein mit ihrem Schwanz. Da juchze ich doch auf und als der junge Mann sie mir abnimmt, muss ich mich erst einmal von ihr befreien. Ein Gaudi für die anderen. Aber keiner traut sich noch, sie anzufassen. Alle sind ganz besorgt um mich und bewundern meinen Mut. Ist ja nicht meine erste Schlange, die ich anfasse. Die Schlange ist nun auf dem Boden. Sie kennt ihren Weg und gleitet zurück in ihre Kiste. Das filme ich. Wann hat man schon solch eine Gelegenheit?

Video: Python im Freilichtmuseum Bujora


Einsiedlerkrebs

Wenn ich am Meer bin, faszinieren mich immer wieder die Muscheln und Schneckengehäuse, die an den Strand angeschwemmt werden. In südlichen Gewässern findet man besonders schöne Exemplare. Von der Insel Pemba wollte ich auch etwas als Erinnerung behalten. Einige kleine Schneckenhäuser mit Einsiedlerkrebsen und Muscheln sammle ich auf, weil sie mir so gut gefallen. Es gibt schöne größere Gehäuse, aber diese darf man ja nicht mitnehmen, von wegen Artenschutz. Da versteht der Zoll keinen Spaß. Aber so ein paar kleine können es schon sein. In vielen Schneckengehäusen stecken noch diese Einsiedlerkrebse. Ich versuche, die Krebse aus den Schneckengehäusen heraus zu bekommen. Das ist gar nicht so einfach. Sie reagieren so schnell auf jede Bewegung von mir, dass ich sie nicht fassen kann. Eine Pinzette müsste ich haben, aber die habe ich nicht bei mir. Meine Bemühungen mit den Einsiedlerkrebsen werden von den anderen amüsiert belächelt.  Die muss ich wohl aushungern und vertrocknen lassen. So packe ich die Gehäuse so in den Koffer wie ich sie gefunden habe.  - Zu Hause stellt sich raus, dass der große Einsiedlerkrebs alle Gefahren des Austrocknen und des langen Fluges noch lebend überstanden hat! Eines Tages war er aus seinem schützenden Schneckenhaus heraus und über meinen Teppich bis vor die Tür gekrochen, wo ich ihn schließlich fand. Ein Überlebenskünstler!


Strauße
Familie Strauß

Familie Strauß

Auf einer Safari in Afrika hat man unvergessliche Erlebnisse mit Tieren. Einmal begegnen wir der Familie Strauß.

Voran schreitet majestätisch Vater Strauß, in der Mitte folgen die Jungen und die Mutter Strauß hinterher, immer auf der Hut und wachsam um sich blickend.  Als wir mit dem Jeep näher kommen, breitet Vater Strauß behutsam seine großen Flügel über die Jungen aus, die alle schnell herbei trippeln und unter seine Fittiche verschwinden. Wir verhalten uns ganz still und beobachten die Familie. Als die Ruhe wieder einkehrt, picken alle eifrig weiter. Wir zählen, es sind 14 Küken! Eine große Familie! Vater Strauß wandert weiter, die Küken hinterher und Mutter Strauß sichert von hinten den Rückzug. Possierlich!


durstige Löwin
Durstige Löwin

Durstige Löwin

Auf der Safari in der Serengeti hatte ich viele Erlebnisse mit Tieren. Eine Begegnung ist mir sehr nachhaltig in Erinnerung. Wir hatten mit unserem Jeep schon lange die Steppe durchfahren und wurden von den anderen Jeeps, die ebenso unterwegs wie wir waren, benachrichtigt, das große Herden Zebras und Gnus zu sehen sind. Wir fuhren eine ausgefahrene Piste entlang, als unser Fahrer plötzlich Halt machte. Er sah schon immer die Tiere eher als wir und machte uns darauf aufmerksam. Wir sollten uns leise und ruhig verhalten. Bald sahen wir auch warum. Eine einsame Löwin kam durch das dürre Gras der baumlosen Steppe auf uns zu. Die Luft flimmerte vor Hitze. Das Gras der Steppe war grau vor Trockenheit. Die Löwin beachtete uns überhaupt nicht. Kurz vor unserem Jeep überquerte sie die Piste und lief zielstrebig zu einer kleinen Lache am Wegesrand. Nachts hatte es kurz geregnet und einige wenige Pfützen standen lehmverschmiert. Die Löwin muss sehr durstig sein, denn mit gierigen Zügen schlürft sie das staubbraune kostbare Nass. Ihre eingefallenen Flanken bebten unruhig. Unmittelbar vor uns ist sie, keine zwei Meter vor uns trank die Löwin sich satt und ließ sich durch uns nicht stören. Wir schauen gebannt auf das schöne Tier. Erst als sie ihren Durst gestillt hat, trollt sie sich weiter durch die trockene Steppe. Wie lange hat sie darauf verzichten müssen? Für uns war diese Begegnung auch eine Erinnerung daran, wie kostbar Wasser für ein Leben ist.


tote Schlange
Tote Schlange nach der Schlacht

Schwarze Mamba

In Afrika erlebte ich bei meiner Gastfamilie ein besonderes Abenteuer. Als ich nachts gegen 23 Uhr auf Toilette gehen will, sind Bariki und seine Mutter Theresia dabei,  im sebule (Wohnzimmer) die Kommode wieder an die Wand zu rücken. Alle Töpfe und Schüsseln, die darauf standen, sind auf dem Sofa platziert.  Was ist hier los? Sie sagen zu mir auf Kisuaheli, dass ich warten soll. Irgendein Tier, welches verstehe ich nicht, sei auf dem Hof. Vorsichtig wird die Tür zum Hof geöffnet, nachgeschaut und ich kann gehen. Das Tier ist in der Ecke, wo der Abfalleimer steht. Vorsichtig wird im Schein einer Taschenlampe mit einer langen Stange dort gestochert, aber es rührt sich nichts. Ich hole meine Taschenlampe und leuchte den beiden. Mit der Stange wird Stück für Stück das Gerümpel aus der Ecke geholt und Kerosin hingeschüttet. Als fast alles aus der Ecke heraus ist und ich denke, dort ist nichts, kommt eine schwarze Schlange hervor, ungefähr zwei Meter lang. Alle springen beiseite und ich bin doch erschrocken. Die Schlange windet sich blitzschnell am Haus entlang und unter das Wasserfass an der Toilette. Dort wird wieder versucht, sie hervor zu locken. Wieder wird Kerosin hingeschüttet. Sie kann sich die halbe Höhe an der Mauer empor winden! Schließlich trifft Bariki sie dort an der Mauer mit seiner langen Stange, stößt ein paar Mal zu und sie fällt halb ins Wasser hinein, wo sie schließlich verendet. Bariki holt sie dort heraus mit der Stange und schlägt noch einige Male auf sie ein, um sicher zu sein, dass sie auch tot ist. Sie windet sich mit ihrem Schwanz noch eine Weile und ist dann endgültig tot. Theresia nimmt sie auf die lange Stange und ich fotografiere sie schnell. So ein Abenteuer erlebt man nicht alle Tage! Sie wird nach draußen gebracht  und unter dem Abfall vergraben. Der Hof sieht aus wie nach einer Schlacht, war es ja auch! Wir sind erleichtert und räumen notdürftig auf. Es riecht nach Kerosin, zwei Kanister mussten daran glauben. Um 1 Uhr ist die Jagd beendet. Wenn das alles ohne Licht gewesen wäre! Ich bin nun doch erregt und werde in Zukunft auf dem Hof mehr aufpassen. Später erfahre ich, dass es eine schwarze  Mamba gewesen ist. Eine sehr giftige Schlange, die dem Menschen gefährlich werden kann. Sie war auf Suche nach Wasser durch das Abflussloch in der Mauer in den Hof gekommen und fand den Ausgang nicht mehr. Von nun an wird das Loch abends immer mit einem Lappen zugestopft. Man erzählt mir, dass sie 28 Jahre hier in diesem Haus wohnen und noch nie eine Schlange im Hof hatten. Bei Nachbarn kam das mal vor. Mir zu liebe dieses Schauspiel?

 


Affen

In Gibraltar werden schon viele ihre Bekanntschaft mit den dort frei lebenden Affen gemacht haben. Wir wurden schon vorher gewarnt vor diesen regelrechten Affenbanden und waren daher auf der Hut. Aber als wir dann überfallen wurden von einer Horde, waren wir mehr amüsiert über ihr neugieriges Verhalten. Die Affen untersuchten ohne Scheu alles. Sie sprangen auf meine Schulter, ein Glück, dass ich keinen Hut aufhatte. Der wäre bestimmt jetzt weg. Nur Spuren ihrer schmutzigen Pfoten hinterließen sie auf meiner Bluse! Meine Kamera hatte ich vorsorglich in meine Hosentasche gesteckt. Denn auch vor Taschen kannte diese Affenbande keinen Halt. Eifrig untersuchten sie alles, was sie nur bekommen konnten. Nur mit Futterstücken konnten wir sie besänftigen. Erst dann war der Weg für uns frei. Die Affenbande stürzte sich auf die nächste Touristikgruppe.

Während der Safari in Tanzania sahen wir viele Affen, die auch die Nähe der Menschen suchten. Auf Rastplätzen  und auf den Straßen lagen sie auf der Lauer auf der Suche nach Leckerbissen. Da wurden schon mal die Abfallkörbe untersucht oder sie kamen den Jeeps nahe und bettelten regelrecht uns an. Aber in der freien Natur, in der Steppe, lebten sie in ihren Familienverbänden zusammen. Davon konnten wir uns oft überzeugen.

In Indien werden die Affen als Verkörperung des Gottes Hanuman verehrt. Affen gibt es dort in den Orten und in manchen Tempeln in Massen. Angesicht der Armut großer Teile der Bevölkerung erschreckt uns als Europäer diese Verehrung mehr. Denn Affen klauen alles, was sie nur bekommen können und fressbar ist. Auch hier werden die Menschen angebettelt. Bei einer Fahrt mit dem historischen Zug kletterten die Affen an die offenen Fenster. Zum Glück waren Gitter davor, sonst wären sie in den Zug hineingekommen. Erst mit Futter ließen sie den Zug zufrieden. Affen sind sehr gelehrig und wissen, wo und wie sie an Futter kommen.


Krokodil auf dem Arm
Im nubischen Dorf in Assuan

Krokodile

Die afrikanischen Nilkrokodile wurden so stark bejagt, dass man sie heute in Farmen züchtet, um sie später auszusetzen. In Ägypten besuchten wir in Assuan das nubische Dorf. Die Nubier sind eine nationale Minderheit in Ägypten. Ihre Häuser bemalen sie mit dekorativen Motiven, stellen kunstvolle Schnitzereien aus Stein oder Holz her, ihre Möbel bestehen aus geflochtenen Schild vom Nil. Auch um die Nachzucht der Nilkrokodile kümmern sie sich. Man zeigte uns ein junges Krokodil, vielleicht drei Jahre alt. Als ich es auf den Arm nehme, wog es ziemlich schwer. Die schuppige Haut kratze, nur der Bauch war glatt. Wann hat man schon ein lebendes Krokodil auf den Arm?

Krokodile im Becken
Krokodilfarm auf Djerba

Auf der Insel Djerba in Tunesien gibt es den Explorer Parc. Im Lalla Hadria Museum wird die Kunst der orientalischen Länder gezeigt, alles sehr anschaulich und interessant. Daran schließt sich das Djerba Heritage an, wo das dörfliche Leben in Tunesien gezeigt wird.  Im Explorer Parc befindet sich auch eine Krokodilfarm, wo ca. 400 Tiere im weitläufigen Gelände gehalten werden. Vom Ei im Brutkasten bis zu 4 m langen Tieren konnte man diese Echsen erleben. Die Fütterung wird hier zur Show. Die meisten Tiere sind so satt und bewegen sich kaum. Sie  liegen dicht gedrängt herum. Nur einige schnappen nach den zugeworfenen Fleischstücken. Das krachende Kauen hört sich schon unheimlich an. Wir Besucher sind beeindruckt und bekommen eine kleine Ahnung, wie es in freier Wildbahn sein muss, wenn man diesen Ungetümen begegnen sollte. Als Andenken werden den Besuchern ausgefallene Krokodilzähne verteilt. Auch ich bekomme einen kleinen Zahn. 

Video: Fütterung der Krokodile


wandernde Gnus
Wanderung der Gnus in der Serengeti

Migration

Ein eindrucksvolles Erlebnis ist die Migration/Tierwanderung in den Steppen von Tanzania. Während unserer Safari konnten wir dies mehrmals erleben. Es ist schon ein erhabenes Gefühl, so viele Tiere auf einmal zu sehen. Gnus und Zebras wandern meistens gemeinsam. Mit unseren Jeeps mussten wir manches Mal warten, wenn eine solch riesige Herde unseren Weg kreuzte. Dann konnte es schon eine Weile dauern, ehe die Fahrt weiter gehen konnte. Eine unendliche Reihe von Tieren, die irgendwo vom Horizont herzukommen scheinen, durchquert die Wildnis, um zu anderen Weidegründen zu gelangen.

Video: Migration

 


Elefanten

Diese mächtigen Riesen sind meine Lieblingstiere in Afrika. Bei der Safari in Tanzania sind uns viele Herden begegnet. Elefanten leben in Familienverbänden, die von einer erfahrenen Leitkuh angeführt werden. Die Bullen sind Einzelgänger oder bilden eigene Herden. Mit ihren ausgeprägten Sinnen sind Elefanten hochintelligente Tiere.  

Wir hatten das Glück, eine Geburtsstube der Elefanten mitzuerleben, in respektvoller Entfernung natürlich. Die Elefanten standen schützend mit ihren Leibern wie eine Mauer dicht um die gebärende Kuh herum. Wachsam sicherten sie ihre Umgebung ab. Erst eine ganze Weile später löste sich die Mauer auf. Fürsorglich gehen sie mit ihren Jungen um. Diese müssen sofort laufen lernen. Dabei werden sie helfend mit den Rüsseln ihrer Mutter und den Tanten gestützt. Wenn die Herde in der Steppe unterwegs ist, werden die Kleinen immer mal wieder angestuppst, damit sie nicht den Anschluss an die Herde verlieren. Bei der Erziehung der Jungen helfen alle Kühe mit. Das haben wir während der Safari immer wieder erlebt. Es ist ein Vergnügen, ihnen beim Baden zuzusehen, wenn sie ihre empfindliche Haut bespritzen. Oder wenn sie sich im schützenden Schlamm suhlen. Zu nahe sollte man den grauen Riesen nicht kommen, denn sie verteidigen sich und ihre Familie drohend. Mit unseren Jeeps mussten wir dann schnellstens den Rückzug antreten.

Video: Elefantenherde


Geckos
Geckos

Geckos

In südlichen Ländern sind die Geckos willkommene Haustiere. Für uns Mitteleuropäer mag das ungewöhnlich sein. In Tanzania konnte ich diese Echsen oft beobachten. Wer Geckos im Hause hatte, konnte sicher sein, dass es dort so gut wie kein Ungeziefer gibt. Die Tiere waren Tag und Nacht unermüdlich unterwegs und auf Beutefang. Mit ihren Haftzehen kletterten sie alle Wände empor. Sie liefen auf der Mauer entlang, hielten kurz inne, nickten mit ihrem Kopf und blitzschnell schnellte ihre lange Zunge das Opfer an. Die Echsen gab es in allen Größen, ganz kleine und auch richtig große. Die größte Echse des Hauses, wo ich wohnte, maß etwa eine halben Meter und zeigte sich nur einmal. Sie war eine von der bunten Sorte, leuchtend blau mit rotem Kopf, wunderschön anzusehen. Die Echsen sind sehr scheu. Deshalb kamen sie auch nur aus ihren Verstecken, den Ritzen und Spalten des Hauses, wenn es ruhig war. Da kam es schon vor, dass ich manchmal erschrak, wenn ein Gecko plötzlich flink an der Wand empor kletterte. Oder man wurde beim Duschen von den kleinen schnellen Tieren beobachtet. Abends saß ich gern auf der Treppe des Hauses und genoss die kühle Nachtluft. Dann konnte ich die Geckos beobachten, wie sie an der Außenlampe des Hauses warteten. Das Licht lockte viele Insekten an, ein reich gedeckter Tisch für diese flinken Tiere.