Geschichten


Abenteuer mit Flugzeugen

 

 Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen. 

Dieses Sprichwort nehme ich zum Anlass, um über meine Abenteuer mit Flugzeugen zu berichten. Sicher wird es anderen ähnlich ergangen sein und beim Lesen kommen die Erinnerungen an eigene Erlebnisse wieder. 

 Mein erster Flug -  Leipzig 1958 

In der DDR war die Jugendweihe ein bedeutendes Ereignis für uns junge Menschen. Zu meiner Zeit, Ende der 50-iger Jahre, war die Vorbereitung auf diesen Tag geprägt von vielen Besuchen historischer Stätten, von Betrieben und von Kulturveranstaltungen. Ein besonderes Erlebnis war ein Rundflug über Leipzig. Im Frühjahr 1958 fuhren wir daher zum Flugplatz Leipzig-Schkeuditz, wo wir erwartungsvoll und aufgeregt in eine AN 2, ein Flugzeug sowjetischer Bauart, einstiegen. Dieses robuste Mehrzweckflugzeug ist der größte einmotorige Doppeldecker der Welt und es wird noch heute genutzt. Es gab nur einen einzigen Innenraum, der Pilot saß in Sichtweite von uns. Anschnallen auf den harten Sitzen, zwölf passten nur in die kleine Maschine. Mit ohrenbetäubendem Lärm erhob sich die Maschine und wir flogen! Welch´ ein erhabenes Gefühl mit Kribbeln im Bauch! Wir hatten es uns so ähnlich wie im Riesenrad vorgestellt. Aber das war noch viel schöner! Leipzig lag unter uns, das wir ja aus der „Fußperspektive“ gut kannten. Das Messegelände erschien uns riesig, das Völkerschlachtdenkmal schien zum Greifen nah. Leider dauerte der Rundflug nur 20 Minuten, das war zu schnell vorbei. 

Später, nach vielen Jahren, traf ich die ehrwürdige und zuverlässige AN 2 im Luftfahrtmuseum Hannover wieder. Sie erweckte Erinnerungen an diesen ersten Flug.

Der erste „richtige“ Flug – Bulgarien 1966 

Auf Einladung meiner bulgarischen Brieffreundin aus Sofia unternahmen meine Mutter und ich eine unvergessliche Reise durch dieses wunderschöne Land. 

Die letzte Nacht in Bulgarien war sehr kurz. Wir konnten auch vor Unruhe nicht recht zur Ruhe kommen. Wehmütig dachten wir an den nahen Abschied. Das Unbekannte des Fluges beschäftigte uns und manche Gedanken flogen nach Hause. Sind alle gesund? So lange haben wir nichts voneinander gehört. 

Die Familie Velikov brachte uns auf den Weg. Beim Abschied am TABSO-Bus (bulgarische Fluglinie) fielen einige Tränen. Dann nahm uns die Geschäftigkeit der Mitreisenden in Anspruch. Bis wir wussten, dass wir auch tatsächlich auf der Passagierliste stehen, war uns nicht sehr wohl, weil viele seit Tagen auf einen Platz im Flugzeug warteten, die wie wir eine ordentliche Flugkarte hatten. Dann ging es über die „Grenze“ in den Transitraum. Sascha und Rossitza konnten uns nur noch vom Balkon aus zu winken. Wieder stiegen wir schließlich in einen Bus, fuhren knapp 100 Meter, stiegen hier aus und in die IL18, unser Flugzeug, ein. Sehr freundlich begrüßten uns die drei Stewardessen. Elegant alles. Wir fanden auch zwei schöne Plätze, links neben den Propellern. Der Motorenlärm war zwar stark, aber wir hatten gute Sicht. Noch auf dem Boden erhielten wir Bonbons, schnallten uns an die bequemen Sessel und verließen den Boden Bulgariens. Allzu schnell war Sofia außer Sicht. Durch den Lautsprecher wurden wir in bulgarischer und deutscher Sprache begrüßt: „ Wir fliegen in 7000 Metern Höhe mit einer Geschwindigkeit von 620 km/h. Unser Flug geht über Arad, Budapest nach Prag. In 2 Stunden, 10 Minuten werden wir dort landen.“ Kaum hatten wir das alles durchdacht und erste Blicke aus dem Fenster geworfen, als schon die Donau unter uns lag. Wehmütig mussten wir uns damit abfinden, dass wir nun wirklich Bulgarien verlassen haben und diese schöne Reise zu Ende ging. 

Wie herrlich war der Flug hoch über den Wolken! Ein einziges Schweben in Sonne und Licht. Uns kam in den Sinn, wie der erste Kosmonaut Juri Gagarin gesagt hat, dass die Erde ein wunderschöner Planet ist und wie schön es wäre, wenn alle Menschen an dieser Schönheit sich erfreuen könnten. Dieses erhabene Gefühl wurden wir die ganze Zeit des Fluges nicht los. Das Land zog unter uns vorüber. Städte und Dörfer leuchteten mit ihren roten Dächern herauf, ab und zu blitzte ein schmales blau-silbriges Band, ein Fluss oder ein See zu uns herauf. Die Straßen schlängelten sich durch die Felder und Wälder, ebenso die Eisenbahnlinien. Die Erde war wie eine lebende Landkarte in Sonne getaucht. Dazwischen schoben sich manchmal die Wolken, die wie große Wattebälle aussahen. Die Stewardessen bringen uns gleich nach dem Start ein herzhaftes Frühstück, zu dem es Getränke nach Wahl gibt. Wir lassen uns alles gut munden und bedenken dabei, dass wir ein letztes Mal auf Bulgarisch speisen. 

Wir wussten nicht, sind wir noch über Rumänien oder schon über Ungarn. Arad hatten wir schon überflogen und jetzt war es auch nicht mehr weit bis Budapest. Die Lautsprecher des Flugzeuges kündigten es schon an. Und wirklich, nun erkannten wir die Donaumetropole unter uns. Von unserem Platz aus konnten wir sehr gut die Donau als ein breites blaues Band erkennen, in der die Margareteninsel wie eine Perle eingenäht lag. Die Elisabethbrücke, den Gellertberg, die Königsburg, die Löwenbrücke, ganz Budapest lag im Sonnenlicht unter uns. Wir grüßten unsere altbekannte, auf der Hinreise neu entdeckte, uns lieb gewordene Stadt. Der Anblick war unvergesslich. Unser Flugzeug näherte sich zum letzten Mal der Donau an der ungarisch-tschechischen Grenze. Von jetzt an entzog sich die Erde unseren Blicken und hüllte sich in dicke Wolkendecken ein. Es ist faszinierend zu sehen, wie dicht unter dem Flugzeug langsam die weiß-grauen Wolken vorüber ziehen. Es erinnert an eine arktische Schneelandschaft, über die die Sonne gleißt. Manchmal ziehen auch über uns Wolken vorüber oder unser Flugzeug fliegt direkt durch solch eine Pustewolke hindurch, so dass vor unserem Fenster ein dicker Schleier vorüberzieht. 

Die Stewardessen sagen schon Prag an und wir müssen uns wieder anschnallen. Das Flugzeug verlässt die sonnige Höhe, durchstößt die dicke Wolkendecke und da liegen die Dächer von Prag schon ganz nahe. Das Flugzeug senkt sich immer mehr, die Piste ist in Sicht und dann spüren wir schon den leichten Aufprall, der uns sagt, dass wir gelandet sind. Der Prager Flughafen ist ein mächtiger Komplex von Pisten, Gebäuden und freien Flächen. Wir sehen sehr viele Flugzeuge aus aller Herren Länder. Ständig landet oder startet ein Flugzeug. Wir steigen aus und begeben uns in den Transitraum, wo ein großes Sprachengewirr herrscht. Schon beim Verlassen des Flugzeuges bemerken wir die ungewohnte Kühle, die unseren an die bulgarische Sonne gewöhnten Körper umstreicht. Natürlich frösteln wir alle. Einige hatten sich schon im Flugzeug umgezogen oder wenigstens Strümpfe angezogen. Im Transitraum war es angenehm. 

Wir schickten schnell noch eine Karte nach Hause für unseren Briefmarkensammler und dann wurde unser Flugzeug schon wieder aufgerufen. Die halbe Stunde hier verging schnell. Nun war unser Flugzeug nicht mehr voll besetzt. Wieder hieß es anschnallen und unser Flugzeug begann seine zweite Hälfte des Fluges, der uns in 40 Minuten nach Berlin bringen soll. Wir beide lauerten, wann endlich die tschechisch-deutsche Grenze auftaucht. Aber nach einer Tafel Schokolade, die uns kurz nach dem Start serviert wurde und nach einigem Warten, hieß es schon wieder anschnallen und bereit zur Landung in Berlin. Jetzt riss auch die Wolkendecke wieder auf und wir konnten das märkische Land sehen. Wir flogen von Erkner her ein und sahen sehr gut den Langen See und den Müggelsee unter uns liegen. Die weißen Segelboote auf dem Wasser leuchteten wie weiße Vögel herauf. Langsam ging es abwärts und dort tauchte schon der Flughafen Schönefeld auf. Wieder verspürten wir den bekannten leichten Stoß. Die Erde hatte uns wieder und ein wunderschönes Erlebnis ging zu Ende. 

 Defekt und Nebel – Mittelasien 1987 

Wir hatten die Gelegenheit, Mittelasien kennenzulernen. Unsere Reiseroute führte uns in Usbekistan über Taschkent nach Schachrisabs, Samarkand, Buchara und in Turkmenien nach Aschchabad. Einige der riesigen Entfernungen wurden mit Flugzeugen bewältigt. So auch die Strecke von Buchara nach Taschkent. Der Flug erfolgte mit einer AN 26 B, die für Kurzstreckenflüge geeignet war und Platz für 48 Passagiere bot. Wir hatten einen Platz ganz vorn ergattert. Mit unserer Reisegruppe flogen auch etliche Einheimische, Usbeken in ihren bunten Trachten. Die meisten hatten kein Gepäck im herkömmlichen  Sinne bei sich, sondern ihre gesamte Habe war in einem Tuch zusammengebunden, welches sie über der Schulter trugen. Das gesamte Gepäck wurde im vorderen Teil des Flugzeuges verstaut, einfach nebeneinander gestellt. Der Gepäckraum war nur mit einem alten Sack vom Passagierraum abgetrennt. Durch einen Spalt konnte ich sehen, dass die Verriegelung der Außentür mit einem Strick gesichert wurde. Da wurde einem doch etwas mulmig. Aber der Flug verlief ohne Zwischenfälle. 

Wir haben sehr gute Sicht bei wolkenlosem Himmel. Das Gebiet um Buchara ist dicht besiedelt, was wir aus der Höhe  von 4100 m gut sehen. Wir überfliegen die Wüste Kyselkum. In den Flusstälern sind Oasen. Von den Bewässerungen, die gut zu erkennen sind, ist die Erde in den Oasen viel dunkler. Dann kommen Berge aus Lehm und Sand (Kyselkum = Roter Sand). Manchmal weisen Pisten auf Leben in der Wüste hin. Ab und zu zeigen runde Tanks und einzelne Gebäude an, dass in der Wüste Erdgas gefördert wird. Wir überfliegen einen großen Salzsee, an dem keine Spur von Vegetation zu sehen ist. Nur Salzablagerungen ziehen sich als weiße Ränder um den See. Die Dünenkämme zeigen die Windrichtung in der Wüste an. Dann wieder deutet ein Flusstal auf Besiedlung hin. Taschkent nähert sich. Die Wüste steht bis vor der Stadt. Taschkent ist schon von oben als Großstadt zu erkennen. Nach anderthalb Stunden landen wir wohlbehalten hier in der Hauptstadt von Usbekistan. 

Nach zwei Wochen voller Erlebnisse in Usbekistan und Turkmenien naht die Heimreise, die mit einem Zwischenaufenthalt in Moskau zu Ende gehen soll. 

Wir haben verschlafen, sind nicht geweckt worden. Aber zum Flughafen in Aschchabad geht es sehr früh am Morgen. Der Abflug sollte um 6:40 Uhr sein, alle Passagiere sind eingestiegen und auf ihren Plätzen. Das Flugzeug, eine TU 154 B-2, für Langstreckenflüge eingesetzt, rollt auch auf die Piste. Aber irgendetwas stimmt nicht, denn unser Flugzeug wird abseits des Rollfelds abgestellt. Nach einer kurzen Wartezeit geht es wieder zur Piste. Aber auch diesmal hebt unser Flugzeug nicht ab. Was ist da los? Wieder geht es zurück abseits der Piste. Nach mehr als 1 Stunde Verspätung fliegen wir tatsächlich ab Richtung Moskau. Es ist bereits heller Tag geworden. 2800 km liegen vor uns. Links bleibt das Kopet Dag Gebirge liegen, an dem wir entlang fliegen. Unter uns liegt die Wüste bis zum Kaspischen Meer. Unser Frühstück nehmen wir über diesem Meer ein, das wir ein dreiviertel Stunde überfliegen. Auf der anderen Seite geht die Wüste in  Steppe über, später bewaldetes Hügel- und Bergland. Viele Flüsse und bebautes Land, Siedlungen sind zu erkennen. Dann verhindern Wolken die Sicht. Durch die Lautsprecher erfolgt eine Durchsage, die wir nicht verstehen, da sie nur in Russisch erfolgt. Was sie zu bedeuten hat, merken wir erst, als wir nach fast 5 Stunden nicht in Moskau, sondern in Kiew-Borispol landen. Moskau kann nicht angeflogen werden, weil dort dichter Nebel herrscht. Na prima! Es beginnt für uns eine lange Wartezeit. Der Flughafen liegt so weit entfernt von der Stadt, eigentlich mitten in der Steppe, so sind wir gezwungen, hier zu bleiben und uns irgendwie die Zeit zu vertreiben. Die Uhren stellen wir um auf Moskauer Zeit. Wir können in den nahen Park gehen, durch den die Straße schnurgerade in die Stadt führt. Im Flughafen-Restaurant bekommen wir ein Mittagessen. Um 14 Uhr sollte der Abflug nach Moskau sein, aber es ist nicht daran zu denken. In Moskau herrscht dicker Nebel. Erst nach 16 Uhr werden wir zum Flugzeug gebracht  und unsere Gruppe steigt als erste ein. Es ist das gleiche Flugzeug, das uns schon von Aschchabad hierher gebracht hat. Es gibt noch Streit um die freien Plätze unter den Einheimischen.  Denn Minsk und Leningrad mussten heute alle Moskau anfliegenden Flugzeuge aufnehmen. Dementsprechend das Gewimmel im  Gebäude des Flughafens. Hinter uns warten noch fünf andere Maschinen. Aber an Fliegen ist nicht zu denken. Wieder das gleiche Malheur wie in Aschchabad! Die Turbine geht nicht auf Touren! Das Flugzeug wird wieder aufs Abstellgleis geschoben. Wir ca. 200 Passagiere dürfen sogar aussteigen und uns die Beine vertreten. Große Diskussion unter den Menschen. Viele kriegen es mit der Angst zu tun und wollen nicht mehr mit dieser Maschine fliegen. Als endlich der Schaden behoben ist, sollen alle wieder einsteigen, was viele nicht mehr wollen, auch von unserer Gruppe.  Die Stewardessen schaffen es nicht, die Leute zu überzeugen, dass das Flugzeug diesmal wirklich starten wird. Genervt geben sie auf. Ein Offizier der Sowjetarmee, ein Hüne von Turkmene,  versucht daher mit einer Engelsgeduld die Zaudernden zu überzeugen, wieder einzusteigen, damit wir auch abfliegen können. Es gelingt ihm auch  bei den meisten. Auch wir steigen ein und hoffen, dass alles gut gehen wird. Aber es gibt doch einige Leute, die zurück bleiben wollen. Kann man wirklich  verstehen. Es dauert drei Stunden, ehe wir doch endlich abfliegen. Die Mentalität der Leute wie bei uns, schimpfen, diskutieren, ängstlich, humorvoll die anderen. Gegen Abend landen wir wirklich in Moskau und fahren noch 40 Minuten bis zum Hotel in der Stadt. 

Am anderen Morgen sehen wir immer noch durch „Milchglasscheiben“. Da wir ganz oben wohnen, können wir nicht einmal die Straße erkennen, geschweige denn das gegenüberliegende Gebäude, so dicht ist der Nebel. Ein Wunder, dass unser Flugzeug gestern überhaupt hier landen konnte! Wir absolvieren unser Programm in Moskau. Die meisten unserer Gruppe haben schon keine Lust mehr und wollen lieber sofort nach Hause. Nachmittags geht es mit dem Bus zum Flughafen Scheremetjevo, wo wir Abendessen bekommen. Dann erfahren wir, dass unser Flug ausfällt. Wir müssen zurück nach Moskau, kommen in ein anderes Hotel. Wir belegen die Plätze und Zimmer, die Reisegruppen nicht antreten können, weil sie statt in Moskau jetzt in Leningrad oder Minsk sind, auch wegen des Nebels. Wir bekommen noch einmal Abendbrot im Hotel. 

Am nächsten Morgen ist immer noch Nebel in Moskau. Nach dem Frühstück fahren wir wieder mit dem Bus auf der Wolokolamsker Chaussee eine dreiviertel Stunde zum Flughafen Scheremetjevo. Unterwegs sehen wir, dass die Landschaft bereift ist. Im Flughafen erfahren wir, dass bis 11 Uhr alles gesperrt ist, keine Landung, kein Abflug. Also wieder dieses unbequeme Warten ohne Sitzgelegenheiten. Der Flughafen ist jetzt überfüllt von Wartenden. Es stehen noch Flüge von gestern offen. Seit gestern Mittag ist kein Flugzeug gelandet. Die meisten sind nach Leningrad oder Kiew umgeleitet worden oder sind erst gar nicht gestartet. Unser Flugzeug steht in Leningrad! Jetzt die große Frage: wann kommen wir nach Hause? Da manche schon zu Hause überfällig sind, schicken wir alle ein Telegramm an unsere Familien. Mittagessen bekommen wir im Flughafen-Restaurant. Dort sitzt man wenigstens bequem. In der Halle gibt es zu wenig Sitzgelegenheiten. Die meisten machen es sich auf dem gefliesten  Fußboden bequem, eine „Prawda“ als Unterlage. Wir besorgen uns nach und nach Gepäckkarren, den Koffer als Rückenlehne. So sitzt man wenigstens nicht auf der blanken Erde. Es werden immer mehr Menschen. Einige Maschinen des Auslandes fliegen doch ab, die Radar haben. Keine landet. Der Nebel lässt nicht nach. Warten, warten, warten! Die Durchsagen verstehen wir nicht, die Anzeigen zeigen nur an, dass die Flüge nicht stattfinden. Gegen 19 Uhr heißt es, zurück ins Hotel! Dort bekommen wir noch ein Abendbrot. Ehe das Bett fertig ist, weil Bettwäsche fehlt, ist es spät geworden. Erst gegen 23 Uhr fallen wir ins Bett. 

Der nächste Morgen. Wir erwachen und sehen Nebel! Wird es heute etwas mit der Heimreise? Nach dem Frühstück haben wir Freizeit und wir fahren ein Stück mit der Metro, da wir von Moskau, sonst nichts sehen können. Wir sehen nicht einmal die Hochhäuser der Ministerien, die neben dem Hotel stehen. Zum Mittagessen erfahren wir, dass heute noch ein Sonderzug fahren soll, um uns nach Hause zu bringen. Das ist eine große Entscheidung und bringt unserer Gruppe viel Zank und Streit ein. Das Reisebüro und die Interflug streiten sich noch, wer für uns verantwortlich ist. Die Botschaft der DDR ist eingeschaltet und hat diesen Sonderzug organisiert. Sollen wir mit dem Zug fahren, der uns nach Hause bringt oder sollen wir weiter auf ein Flugzeug warten? Die Interflug ist nur für 24 Stunden für uns zuständig und die sind vorbei! Das Reisebüro muss nun für uns sorgen. Mit dem Zug haben wir die Gewissheit, dass er uns nach Hause bringt. Aber wie lange fahren wir mit diesem Sonderzug, der nicht eingeplant ist? Warten wir aber auf ein Flugzeug, kann es passieren, dass wir die folgenden Stunden, Tage und Nächte im unwirtlichen Flughafen verbringen müssen. Und der ist bis morgen Mittag gesperrt. Wann sind dann Plätze für uns frei? Der Streit geht ziemlich heftig und die Zeit drängt. Um 16 Uhr soll die Abfahrt mit dem Bus zum Bahnhof sein. Der Reiseleiter entscheidet schließlich: wir fahren mit dem Zug. Also Gepäck fertig machen (das wievielte Mal schon?), noch Getränke geholt.  Verpflegungsbeutel stellt das Hotel noch zusammen. Auf dem Belorussischen Bahnhof ist noch kein Zug für uns da. Der Bahnhof ist voll von DDR-Reisegruppen, auch Privatreisende vom Flughafen treffen wir hier wieder. Es dauert eine Weile, ehe der Zug endlich für uns eingesetzt wird. Das Warten sind wir ja jetzt gewohnt. Nur die Kälte auf dem dunklen Bahnsteig ist nicht angenehm. Endlich fährt der Zug ab. Es geht Richtung Heimat. 

Nach einer sehr unruhigen Nacht, durchgerüttelt vom sehr schnell fahrenden Zug, erreichen wir Brest, die Grenzstation. Passkontrolle, Zoll, umspuren auf Normalspur, das dauert etwa 2 Stunden. Die Uhren werden auf unsere Zeit umgestellt. Schließlich fahren wir über die Grenze nach Polen hinein. Die Sowjetunion ist uns los. Es glich einem Rausschmiss. Ein Mitropa-Wagen, wie versprochen, ist auch nicht angehängt worden und die mitgegebenen Verpflegungsbeutel reichen für Abendbrot und Frühstück. Die Ration wird eingeteilt für den ganzen Tag, denn Polen ist lang. Aber das „Hungern“ tut uns allen recht gut nach diesen üppigen Mahlzeiten mit seinen bestimmten Folgen…Jede Station, die uns bekannt ist, wird freudig begrüßt: Warschau, Kutno, Poznan. Denn jede ist ein Stückchen näher an die Oder. Endlich, endlich ist die heiß ersehnte Grenze, die Oder bei Frankfurt, erreicht. Es ist schon Abend. Die Grenzformalitäten werden unkompliziert und schnell erledigt. Schließlich erreichen wir gegen 22 Uhr Berlin-Lichtenberg, wo wir in den Zug steigen, der uns nach Hause bringt. Am Morgen früh um halb fünf Uhr sind wir endlich zu Hause. 

War die Reise schon ein besonderes Erlebnis, der Abschluss war doch die Krönung des Ganzen. 

 Wir erfuhren noch in Moskau, wieviel Menschen auf den Flughäfen warteten: 

In Demedodewo: 14.000                                                                      In der Zeitung stand: 

In Scheremetjevo: 5.000                                                                      . mehr als 35.000 warteten auf eine Abfertigung 

In Wnukowo: 6.000                                                                                 . da die Hotelkapazitäten nicht ausreichten, wurde ein Ferienlager hergerichtet und mehrere

                                                                                                                Eisenbahnzüge eingesetzt 

                                                                                                                       . unser Zug hatte 541 DDR-Touristen 

                                                                                                                        . Spezialflugzeuge versuchten, den Nebel für kurze Zeit zu lichten, so konnten einige Flüge 

                                                                                                                           abgehen. 

Streik der Piloten – Canada 1998 

Nach wunderbaren Wochen voller schöner Erlebnisse bei Verwandten in Toronto und Ottawa steht unsere Abreise bevor. Schon während unseres Aufenthaltes bei meiner Cousine auf ihrer Farm erfuhren wir von dem Streik der Piloten der Air Canada. Uns  war bei diesem Gedanken nicht sehr wohl. Nach einer langen Fahrt mit dem „Greyhound“-Bus zurück nach Toronto versuchen wir mit dem Flughafen zu telefonieren. Über eine Stunde steht meine Tante in der Warteschleife der Telefonauskunft des Flughafens, um dann nach langen Verhandlungen und stetem Hin und Her, einen neuen Termin für uns am Samstag über London zu erhandeln. Der Streik der Piloten zieht seine Kreise. 

Uns treibt die Ungewissheit zum Airport und wir fahren mit dem Taxi zum Flughafen. Das ist schneller, aber auch ziemlich teuer. Auf dem Flughafen stehen eine Menge Leute umher, die alle irgendwohin, aber aus Kanada raus wollen. Am Auskunftsschalter der Air Canada ziehen wir eine Nummer, wie auf dem Arbeitsamt, um über zwei Stunden warten zu müssen, bis wir an die Reihe kommen. Wir wollen unseren Flug für Samstag bestätigt haben. Von der Hostess am Schalter erfahren wir, dass alle Flüge im Inland und nach dem Ausland, die von Piloten der Air Canada geflogen werden, abgesagt sind. Unser Flug eben auch. Was nun? Die Hostess versucht am Computer fast eine Stunde lang irgendeine Verbindung für uns nach Deutschland zu finden. Ich verstehe nun, warum die Auskunft bei allen Passagieren so lange dauert. Das Ergebnis ihrer Suche ist niederschmetternd, denn in den nächsten zehn Tagen sind alle Flüge der anderen Fluggesellschaften ausgebucht. Das Problem besteht darin, aus dem Land, aus Kanada heraus zu kommen. Wir werden auf die Warteliste für mehrere Flugverbindungen über London, New York oder Zürich gesetzt. Die Telefonnummer meiner Tante wird vermerkt für evtl. Rückfragen. Wir sind unruhig und stehen machtlos den Sprachschwierigkeiten gegenüber, dass wir uns so schlecht verständigen können. Das geht nur mit Hilfe meiner Tante. Wir bekommen noch den Rat, entweder jeden Tag anzurufen, was fast aussichtslos ist, oder mit gepackten Koffern auf dem Flughafen zu sitzen und auf einen freien Platz zu warten. Das sind Aussichten! Wir ergeben uns vorerst in unser Schicksal und richten uns innerlich auf einen längeren Aufenthalt in Toronto ein. Mit dem Bus und dann mit der U-Bahn fahren wir zurück in die Stadt. Das brachte dieser Umstand wenigstens mit sich, dass wir so auch die U-Bahn von Toronto kennenlernen. 

Am anderen Morgen versucht meine Tante am Airport anzurufen, aber wie voraus zu sehen war, ohne Erfolg. Deshalb beschließen wir, dass wir wieder zum Airport fahren, um uns vor Ort zu erkundigen. Mein Mann kapituliert vor den Sprachschwierigkeiten und bleibt zu Hause. Wir fahren mit dem Taxi, weil es schneller geht. Auf dem Flughafen werde ich angesichts der Menschenmenge, die hier nach einem Abflug sucht, ganz mutlos. Ich bemerke eine Mitarbeiterin, die offensichtlich in Deutsch Auskunft gibt, ohne dass man an die Schalter muss. Sie gibt uns den Rat, abends mit gepackten Koffern an den Schalter der Lufthansa zu kommen, der gegen 17 Uhr öffnet. Die Lufthansa setzt Maschinen ein, die für Air Canada fliegen. Das gibt mir wieder Auftrieb und wir fahren zurück nach Hause. Unsere Koffer und Taschen sind schnell gepackt. Der Tag geht über diesem Hin und Her hinweg. Wir schauen uns noch einiges von der Flugschau der Exhibition an, die heute über dem Ontariosee abläuft. Die Loipen der Flugzeuge, die im Verband fliegen, sind vom Haus aus gut zu sehen, denn der See ist ja nicht weit. Die Flugzeuge blinken silbern in der Sonne und der Fluglärm ist den ganzen Tag über zu hören. – Beim Kaffeetrinken wird uns bewusst, dass wir evtl. Abschied nehmen müssen vom gastlichen Haus der Tante und ein bisschen Wehmut kommt auf. So viel hatten wir uns noch vorgenommen, uns anzusehen oder zu unternehmen. Nun ist unsere Abreise schneller da als wir dachten. - Die Tante bringt uns und unser Gepäck wieder zum Airport. Als der Taxifahrer hört, dass wir nach Deutschland wollen, horcht er auf. Er erzählt uns, dass er aus Ghana stammt und in Deutschland studiert hat, aber schon einige Jahre in Kanada lebt. Er freut sich, wieder einmal deutsch sprechen zu können. Gegen 16:30 Uhr sind wir auf dem Flughafen und sind überpünktlich am Schalter der Lufthansa. Dort ist der Betrieb schon in vollem Gange. Eine lange Schlange von ebenso hoffenden Menschen wie wir erwartet uns. Hinter uns werden bereits noch später Ankommende höflich abgewiesen und auf einen späteren Tag  oder Termin vertröstet. Alle werden auf eine Warteliste gesetzt. Wir haben drei Stunden Zeit bis zur Abfertigung des Flugzeuges und setzen uns daher in ein Restaurant und können nur hoffen! Unweit von uns drehen die streikenden Piloten mit Plakaten ihre Runden, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Viele Fluggäste interessiert das gar nicht, denn sie sind ja schuld am Durcheinander der Flugpläne. Wir glauben an kein Wunder und beschließen, noch einmal zum Auskunftsschalter der Air Canada zu gehen. Die Menschen haben sich dort inzwischen verlaufen. Wir bemerken eine Hostess, die deutsch spricht  und warten bis sie frei ist. Wir haben Glück, die Frau stammt aus der Schweiz und geht auf unsere Problem sehr mitfühlend ein. In ihrem Computer erreicht sie schließlich eine Reservierung für uns beide nach Boston für morgen früh. In Boston hätten wir den ganzen Tag Zeit, uns die Stadt anzusehen, empfiehlt sie uns. Nachmittags könnten wir nach Frankfurt fliegen. Sie bietet uns sogar ein Hotelzimmer im Flughafen-Hotel an, um früh rechtzeitig da zu sein. Wir sagen ihr unseren Plan mit der Lufthansa und sie reserviert uns diese Plätze nach Boston und Frankfurt bis 21 Uhr. Sie verlängert ihre Schicht extra bis 21:30 Uhr, um dann zu stornieren, wenn wir nicht kommen sollten, um fest zu buchen. Wir sind sehr froh und erleichtert über ihr Entgegenkommen und besonders über diesen Ausweg, freuen uns sogar auf Boston. - Um 20 Uhr stehen wir mit unserem Gepäck wieder bei der Lufthansa mit ca. 50 anderen Hoffenden. Ab 20:30 Uhr werden die Leute aufgerufen, die das Glück haben, zum Check-in gehen zu dürfen. Es werden immer weniger und wir drücken die Daumen! Schließlich stehen nur noch ein Ehepaar und wir beide da. Unsere Hoffnung schwindet zusehends. Aber dann werden auch unsere Namen aufgerufen! Wir können es kaum glauben, als Letzte der Gruppe die Tickets bis nach Leipzig in die Hand gedrückt zu bekommen mit besten Wünschen für einen guten Flug! Meine Tante hat mit uns geduldig gewartet und gefiebert und freut sich nun ebenfalls. Unsere Verabschiedung ist herzlich und wir danken ihr noch einmal für ihre Gastfreundschaft. Der Check-in geht problemlos vor sich, keiner interessiert sich für Gepäck und Pässe. Im Flugzeug sehen wir, dass sogar noch Plätze frei sind, alle sind mitgekommen. Die Lufthansa hat ihre größten Flugzeuge geschickt, um mehr Menschen zurück zu befördern. Der Nachtflug bringt uns zurück nach Deutschland. 

Anschlussflug verpasst – Tanzania 2007 

Heute ist Samstag, unser Abreisetag. Unser Gepäck steht abrufbereit und ich bin aufgeregt, soll es doch das erste Mal nach Afrika, nach Tanzania gehen. Es wird schon alles schief gehen, so mache ich mir selbst Mut. Auf dem Flughafen haben wir viel Zeit bis zum Check-in. Dann sind auch die Koffer schon abgefertigt und wir warten eine ganze Weile im Check-in-Room. Schließlich erfahren wir, dass unser Flugzeug, ein City-Hopper der Niederländischen Fluggesellschaft KLM, nach Amsterdam, sehr große Verspätung hat. Also alles wieder retour! Koffer vom Sammeldienst holen und zum Schalter der KLM gehen. Dort bekommen wir einen neuen Flug nach Dar Es Salaam am nächsten Tag. Das heißt also, eine Nacht in Amsterdam verbringen! Das fängt ja gut an! Nach anderthalb Stunden ein neuer Check-in mit der gleichen Prozedur, denn wir waren ja wieder draußen im Innenland. Um 20 Uhr fliegen wir endlich in Richtung Amsterdam-Schiphol. Die kleine Fokker-Maschine ist nur mit 18 Personen besetzt. Unter uns liegt das Land im hellen Sonnenlicht, später kommen Wolken auf, die die Sicht verhindern. Erst kurz vor Amsterdam lichten sich diese wieder und ich kann das Land erkennen. Die Niederlande sind sehr wasserreich, überall ziehen sich die Entwässerungsgräben an den Feldern und Straßen entlang. Bei unserer Landen sehen wir unser Flugzeug, das uns nach Dar Es Salaam bringen sollte, abfahren. Schiphol ist ein riesengroßer Flugplatz und wir beginnen mit der Suche nach dem Schalter, der uns angegeben wurde, wo wir ein Hotel bekommen sollen. Mit uns irrt auch ein älteres amerikanisches Ehepaar umher und schließlich finden wir auch diesen Schalter, vor dem schon eine Menge anstehen. Es sind alles „Gestrandete“, wie wir bezeichnet werden. Es wird jedem von uns ein Care-Paket übergeben und ein Hotel angegeben. Die Fluggesellschaft KLM übernimmt alle Kosten. Mit einem Shuttle-Bus gelangen wir zum Hotel „Ibis“, etwa 5 km vom Flughafen entfernt. Bis zur Stadt Amsterdam sind es noch einmal 9 km, lese ich auf einem Hinweisschild. Eine breite Autobahn führt zum Hotel. Im Hotel bekommen wir noch Abendbrot, das wir uns am Büffet selbst aussuchen können. Hier sind nur „Gestrandete“, die ihr Abendbrot einnehmen. Auch einen Drink nach Wunsch bekommen wir. Wir wählen einen burgundischen Weißwein und lassen ihn uns schmecken. Die zur Verfügung gestellte Telefonkarte, mit der wir kostenlos in alle Welt telefonieren können, nutzen wir nicht. Wen sollen wir um diese Zeit noch anrufen? Es ist bereits 23 Uhr vorbei. Im Car-Paket finden wir alle Dinge, die man für eine Übernachtung braucht: ein T-Shirt zum Schlafen, frische Socken, Seife, Duschgel, Rasierapparat, Zahnpasta und Zahnbürste, Kamm, Creme, Parfüm usw. Wir duschen und fallen nur noch müde in die Betten. 

Am anderen Morgen werden wir früh wach, stehen auf, um in Ruhe zu frühstücken. Am Büffet steht wieder alles für uns zur Auswahl bereit. Mit dem Shuttle-Bus, das noch zwei andere Hotels anfährt und alle gestrandeten Fernreisende aufsammelt, geht es zurück zum Flughafen. Ich denke bei mir, wenn so viele Hotelplätze benötigt werden, ist da dieses Zuspätkommen der Flugzeuge Normalität? – Am Flughafen geht wieder die Suche nach dem Schalter los, wo wir unsere Bordkarten bekommen. Nach einigem Hin und Her kommen wir zum elektronischen Check-in, wo wir mit Hilfe einer Stewardess alles selbst erledigen. Mein Reisepass wird gelesen und ich bekomme meine Bordkarte. Aber der von meinem Freund kann der Automat nicht lesen, weil es kein EU-Pass ist.  Die Angestellte hilft uns zu einem anderen Schalter, wo wir seine Bordkarte bekommen. Nach der Passkontrolle führen lange Wege bis zu unserem Gate. Hier erfolgt noch einmal eine Kontrolle, für uns schon die vierte. Die wartende Gruppe ist sehr gemischt. Viele sind als Touristen erkennbar, aber auch Geschäftsleute sind darunter. Durch einen langen Tunnel gelangen wir in die Boeing 777. Weil es für uns eine Ersatzmaschine ist, haben wir getrennte Plätze erhalten. Wir reden mit einem Engländer, ob er nicht mit uns tauschen würde. Er bleibt aber stur, will uns wohl nicht verstehen. Ich bitte die Stewardess um Hilfe, die es auch schafft, den Mann zu bewegen, sich auf unseren anderen Platz zu setzen. Wir sind glücklich, endlich zusammen sitzen zu können. Endlich hebt die Maschine ab. Es geht über den Flughafen Kilimanjaro nach Dar-Es Salaam. Ich fliege nach Afrika! 

Unwetter – Tanzania 2008 

Nach einigen Wochen Aufenthalt im Landesinneren von Tanzania rückt die Abreise näher, die ich eher antreten muss als beabsichtigt. Auf der langen Fahrt zum Flugplatz in Shinyanga werde ich unruhig, weil ich nicht weiß, ob alles klar ist. Langsam wird es hell und als wir am kleinen Flugplatz ankommen, steht schon eine lange Menschenschlange zur Abfertigung bereit. Ich stelle mich dazu. Als ich an die Reihe komme, kann man meinen Namen nicht auf der Liste finden. Was nun? Ich soll warten, bis alle abgefertigt sind und ob dann noch ein Platz frei ist. Ich frage nach dieser Frau, die mir angegeben wurde und an die ich mich wenden soll, wenn Probleme auftreten. Wir rufen dort an, sie weiß nichts! Na prima! Eine Frau, die das Gepäck der Passagiere abfertigt, sieht meine Unruhe und weist mich an einen Mann, der hier wohl etwas zu sagen hat. Der gibt mir die Liste der Passagiere, ich soll selbst meinen Namen suchen. Auf der ersten Seite kann ich mich wirklich nicht finden. Aber auf der Rückseite steht mein Name. Verdutzt schauen die Beamten, dass auf der Rückseite auch noch Namen stehen. Es gibt nämlich noch andere hier, die ebenso warteten wie ich. So einfach ist das! Ich bin erleichtert und die Frau freut sich mit mir und zeigt den o.k.-Finger. Ich erhalte meinen Bordingpass und mein Koffer wird abgefertigt.- Die Maschine aus Dar Es Salaam landet genau zur Abflugzeit, entlässt viele Leute und wir können einsteigen. Es ist freie Platzwahl. Ich erwische nur noch einen Gangplatz, so voll wird die Maschine. Leider kann ich nichts sehen, denn wir überfliegen die Gegend, wo ich lange Zeit gelebt habe. Das wäre schon interessant, diese Orte von oben zu sehen. Eine halbe Stunde fliegen wir bis Tabora bei schönem Wetter mit wenig Wolken. Auf dem hübschen, mit vielen Grünanlagen versehenen Airport von Tabora haben wir Zwischenlandung. Hier steigt die Hälfte der Passagiere aus und wird auch nicht voll von den neu einsteigenden Passagieren. Ich setze mich an ein Fenster. Nun geht es Richtung Dar Es Salaam! Die Wolken werden immer dichter. Das Land unter uns ist grün! Was das bisschen Regen der letzten Tage ausmacht! Es gibt einen kleinen Snack und Zeitungen werden verteilt. – Dann kommt die Durchsage, wir müssen uns anschnallen. Ein Schlechtwettergebiet wird durchflogen! Die beiden Stewardessen achten streng darauf, dass auch jeder sich anschnallt. Wir haben es auch nötig! Draußen türmen sich jetzt dicke schwarze Wolken auf, aus denen manchmal Blitze schießen, richtig unheimlich. So etwas habe ich noch nicht erlebt! Das Flugzeug schlingert ganz schön hin und her und manchmal hüpfen wir in die Höhe, nur die Gurte hindern uns daran. Ich halte mich, wie die anderen auch alle, am Vordersitz fest und federe so das Schlingern ab. Die Frauen juchzen und schreien. Viele, auch Männer, beten zu irgendeinem Gott oder Heiligen. Auch meine Nachbarin murmelt immer wieder den gleichen Satz vor sich hin, wer weiß, welchen Heiligen sie anruft. Die Frau hinter mir, mit einem Kleinkind auf dem Arm, schluchzt vor sich hin und betet. Es ist richtig Aufruhr in der Maschine. Komischerweise belustigt mich diese Aufregung mehr, als dass ich Angst hätte. Bei jedem Satz geht ein Aufschrei durch die Menge. Das geht etwa 20 Minuten so bis wir die dicken Regenwolken durchstoßen haben und unter uns Dar zu sehen ist. Sicher landen wir auf dem Flugplatz von Dar. Alle klatschen Beifall, dass der Pilot uns sicher zur Erde zurück gebracht hat. Auch ich bin doch erleichtert. Es regnet in Strömen, als wir aussteigen und die Luft ist schwül und schweißtreibend. Man merkt das nahe Meer. 

Flug mit Tragschrauber – Mansfelder Land 2010 

Im Mansfelder Land gibt es einen kleinen Flugplatz, der von Agrarfliegern genutzt wird, aber inzwischen auch von einigen Privatfliegern. Im Sommer finden dort Flugschauen statt, bei denen die Menschen der Umgebung selbst mitfliegen können, wenn sie mutig genug sind. Denn es sind sehr kleine Flugzeuge, die zur Verfügung stehen. Durch Zufall gerate ich unter diese staunende Menschenmenge und bin sofort begeistert von der Möglichkeit, einmal über meine heimatliche Gegend zu fliegen, mir alles von oben anzuschauen. Die Auswahl besteht zwischen einem Hubschrauber und dem Doppeldecker AN 24, die beide mehrere Leute aufnehmen können, und einem Tragschrauber,  von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Der  Tragschrauber oder auch Gyrocopter sieht eher aus wie der Beiwagen eines Motorrades und ist nur für eine Person und dem Piloten gedacht. Mich reizt das Gefährt und trage mich in die Warteliste ein. Ich muss nicht lange warten und werde aufgefordert einzusteigen. Mein Pilot überreicht mir einen Helm mit Sprechfunk. So kann ich mich mit dem Piloten unterhalten. Der Pilot sitzt vor mir, nur eine Scheibe trennt uns. Er gibt mir noch Anweisungen, wie ich mich verhalten soll und fragt mich, wohin ich fliegen will. Ich möchte meinen Wohnort und die Stadt sehen. Über uns ist der offene Himmel. Die Flügel des Propellers kreisen und schon erhebt sich das Gefährt, durch den Fahrwind angetrieben. Meine Kamera halte ich fest um mein Handgelenk geschlungen. Ein heftiger Wind reißt an ihr, wenn ich die Hand auch nur ein wenig über den Rand halte. Sonst ist es fast windstill, wie es scheint. Mit leicht schaukelnden Bewegungen fliegen wir über die Halden des Mansfelder Landes. Die bekannten Orte und Landschaften von oben zu sehen ist schon ein erhabenes Gefühl. Ich erkenne mein eigenes Haus, meinen Garten und den See davor. Mein Pilot fragt, ob alles in Ordnung ist. Ich kann nur bestätigen, wie schön das ist. Dann biegen wir zur Stadt hin und überfliegen die mir so vertrauten Straßen und Viertel. Das ist alles so wunderbar. Ich schieße einige Aufnahmen mit meiner Kamera. Viel zu schnell ist die halbe Stunde vorbei. Schade, von mir aus könnte ich immer so weiter fliegen. Ich fühle mich so leicht und unbeschwert hier oben. Aber schon senken wir uns und erreichen wohlbehalten mit einem kleinen Ruck den Boden wieder. Meine Schwester bewundert meinen Mut und auch die umstehenden Männer nicken mir anerkennend zu. Ich bin nur glücklich, dass ich diesen Flug gewagt habe. 

Kilimanjaro und Viktoria-See - Tanzania 2013 

Wieder einmal reise ich nach Tanzania. Diesmal habe ich eine andere Reiseroute gewählt. 

Nach acht Stunden Flug landen wir in Nairobi in Kenia. Hier erfolgt gleich die Trennung in Einreise und Transit, so einfach ist das. Der Airport Nairobi ist kreisrund, aber nur die Hälfte davon kann genutzt werden. Der internationale Teil ist vor Wochen abgebrannt, es wird eifrig daran gebaut, um ihn wieder in Betrieb zu nehmen, denn dieser Flughafen ist ein wichtiger Drehpunkt in Ostafrika. Das Warten verkürze ich mir mit meinem Tablet-PC und bummele auch durch die kleinen Souvenirläden. Die Maschine von Precisionsair, die mich weiter nach Tanzania bringen soll, ist pünktlich und nicht voll. Mein heimlicher Wunsch wird erfüllt. Es herrscht klares Wetter. Der Pilot macht auf die kommende Sehenswürdigkeit aufmerksam. Die Maschine umrundet den berühmtesten Berg von Afrika, den Kilimanjaro. Von oben sieht er nicht so gewaltig aus. Dunkelbraun ragt er in den Himmel hinauf. Seine Schneekappe ist beträchtlich geschmolzen, nur ein kleiner Teil ist an einer Seite noch mit Schnee bedeckt. Schmale Pisten schlängeln sich an der Seite zum Gipfel empor. Der Krater scheint zum Greifen nahe. Die Wolken sind tiefer als der Berg. Alle drei Gipfel des Bergmassivs sind sehr schön zu sehen. Beeindruckend für alle Passagiere, die eifrig fotografieren. Wann sieht man schon mal diesen berühmten Berg! Ich freue mich sehr, dass ich ihn endlich in seiner gewaltigen Größe betrachten kann. Jedes Mal, wenn ich nach Tanzania reiste, hatte ich Zwischenlandung in Arusha, aber den Kilimanjaro nie gesehen. Immer verhüllte er sich mit dicken Wolken. Nun endlich hat sich mein Wunsch erfüllt!  Bei einer technischen Landung in Kilimanjaro Airport   steigen wir aus. Die Maschine wird neu betankt und wir warten derweil im Transitraum. Von hier aus kann man den Berg nicht sehen, es sind zu viele Wolken. Ich bin auf dem Boden von Tanzania!  Nach einer halben Stunde erfolgt der Weiterflug nach Mwanza. Das Land unter uns ist trocken, nur einige Flusstäler sind grün. Von Norden her fliegen wir entlang des Viktoriasees nach Mwanza.  Der Lake Viktoria ist ein Meer, seine Ufer sind grün, viele Inseln leuchten aus dem blauen Wasser des Sees hervor. – Mwanza erreichen wir vom Meer her. Die Stadt liegt malerisch auf mehreren Klippen, die weit ins Meer ragen. – Der Flughafen ist klein und etwas unübersichtlich. Ich erhalte meine Einreisekarte, fülle sie aus und frage nach meinem Gepäck. Das liegt schon bereit und ich nehme meine beiden Koffer und gehe zum Ausgang. 

Schwieriger Anflug – Madeira 2014 

Die Insel Madeira liegt mitten im Atlantik und ist eins der beliebten Ferienziele. Der Flughafen „Santa Catarina“ liegt an der Steilküste, wurde 1964 eröffnet. Erst seit dem Jahre 2000, nach einem Ausbau der Start- und Landebahnen, können hier alle Flugzeugtypen landen. Die Start- und Landebahnen ruhen auf 3 m dicken Betonpfählen, die im Meeresgrund verankert sind. Wegen der auftretenden Fallwinde und der fehlenden Instrumentenlandung zählt der Flughafen zu den schwierig anzufliegenden Flughäfen der Welt. Außerdem muss vor der Landung eine enge Rechtskurve geflogen werden. Für die Passagiere ist das der erste schöne Blick auf die Insel. Die Piloten dürfen die Landung nur nach Spezialanweisungen durchführen. – Wir wohnten in einem Hotel im nahen Ort Santa Cruz, direkt an der Küstenpromenade. Von unserem Fenster aus oder bei Spaziergängen konnten wir die anfliegenden Maschinen sehr gut erkennen. Manche flogen so tief, dass wir glaubten, die Menschen hinter den Fenstern zu erkennen. Wir schauten oft hinterher und warteten bis sie hinter der Mauer des nahen Flugplatzes verschwanden, also sicher gelandet waren. Die Uferpromenade führte bis unter die Landebahn. Zwischen seinen Pfeilern  ging der Weg hinauf zur Straße, die zum Flugplatz führte. Wir sind oft hier entlang gegangen. 

Koffer nicht da – Helsinki 2015 

Die Reise nach St. Petersburg führte uns über Kopenhagen als Zwischenlandung nach Helsinki. Von dort sollte es weiter mit der Fähre nach St. Petersburg gehen. Es klappte auch alles recht gut. In Helsinki auf dem Flughafen standen an der Kofferausgabe etliche Passagiere umher, die vergebens auf ihr Gepäck warteten, darunter auch ich. Ein Angestellter des Flughafens klärte uns auf, es kommt kein Gepäck mehr. Was nun? Wo sind unsere Koffer? Die Umsteigezeit in Kopenhagen war ziemlich kurz und man hatte es dort nicht geschafft, sämtliches Gepäck umzuladen. Die Reiseleiterin unserer Gruppe kümmerte sich sofort um uns und veranlasste alles. Zunächst erhielten wir gleich jeder ein Care-Paket mit den nötigsten hygienischen Dingen, die man für einige Tage braucht. Dann wurden alle Daten, wie Namen, Adressen, Flugnummer, Gepäcknummer usw. notiert. Jeder bekam einen Zettel mit diesen Daten als Kopie und Nachweis für die Suche. Man will sich kümmern, mit der nächsten Maschine alles mitzuschicken. Damit mussten wir uns erst einmal begnügen. Unsere Reise fängt ja gut an! 

Den Tag verbrachten wir im Stadtzentrum von Helsinki, die übrigens eine sehenswerte Stadt ist. Aber immer diese Unruhe um unser Gepäck im Kopf! Gegen Abend fanden wir uns alle am Fährhafen ein. Wir, ohne Gepäck, blieben vorerst in der Wartehalle des Hafenbahnhofs. Denn die Fähre war gleichzeitig die Grenzkontrolle. Aber ohne Gepäck wollten wir nicht aufs Schiff. Man sagte uns, die Koffer werden vom Flughafen direkt zur Fähre gebracht. Wie brauchten nicht noch einmal zum Flughafen zurück zu kommen. Das fanden wir als eine große Erleichterung, denn der Flughafen liegt ja weit draußen vor der Stadt, wir würden viel Zeit verlieren. Nun hieß es Warten! – Die Zeit verging und wir warteten. Langsam machte sich Unruhe und Unmut breit. Aber schließlich, eine halbe Stunde vor der Schließung der Bordformalitäten, kamen unsere Koffer an! Glücklich stürzten wir uns auf unser Gepäck, dankten dem hilfreichen Kurier vom Flugplatz, der alle Koffer herein schleppte. Dem Einschiffen stand nichts mehr im Wege. Die Fähre brachte uns über Nacht mit ruhigem Fahrwasser nach St. Petersburg.